Wertemodell

Wertemodelle sind konkret aufgestellte Wertesysteme, die in Kategorien, Prioritäten, Bedeutungen, Polaritäten und/oder Entstehungsprozessen (Prozessketten) eingeteilt bzw. gegliedert sind. Sie können uns helfen, Werte speziell einzuordnen, zuzuordnen und besser zu verstehen.

Es gibt zahlreiche dieser sogenannten Wertemodelle, welche in Literatur und Wissenschaft zu finden sind. Dazu zählen auch kategorisierte, spezifisch eingeteilte Wertesammlungen, die oft auch systemisch in Buchform aufgestellt sind. Die wichtigsten und bekanntesten Modelle werden nachstehend aufgeführt.

Auch wenn die meisten der uns bekannten Modelle nur theoretischer Natur und entsprechend als Postulat zu verstehen sind, wollen wir sie möglichst alle aufführen.


Das „Reich der ethischen Werte“ (Nicolai Hartmann) 

Der in Riga geborene deutsche Philosoph Nicolai Hartmann (1882 bis 1950) legte im Jahre 1925 das Fundament für das später als „Wertequadrat“ (siehe auch gleichnamigen Artikel in diesem Kapitel) bezeichnete Modell, welches einzelne Werte in logische, vernünftige Verhältnisse setzte. 

Er wurde maßgeblich von Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) inspiriert und verweist auf dessen „Nikomachische Ethik“ (322 v. Chr.), in der Aristoteles von der „vernünftigen Mitte (mesotes)“ zwischen Übermaß und Mangel schreibt („Die Mesotes-Lehre“).

Hartmann benannte sein Modell das „Reich der ethischen Werte“, in dem er folgende Werteordnung aufstellte:

  • Erkenntniswerte (Wahrheit)
  • Ästhetische Werte (alles Schöne)
  • Sittliche Werte (alles Gute)
  • Vitalwerte (alles Lebendige)
  • Lustwerte (alles Angenehme)
  • Güterwerte (alles Nützliche)

Je nach Situation kann auch in der heutigen Zeit, diese von Nicolai Hartmann benannten „Werteklassen“ (eine spezielle Form von „Werte-Kategorien“) genutzt werden, da diese Kategorisierung durchaus sinnvoll und immer noch relativ zeitgemäß ist.

1953 schrieb Hartmann in seinem Buch „Ästhetik“* auf Seite 330:

„Das Erste, was nottut, ist ein Blick auf das Reich der Werte überhaupt, soweit es sich bis zur Stunde dem philosophischen Blick geöffnet hat. Die Wertklassen, mit denen wir zu rechnen pflegen, sind ohne systemisches Prinzip, rein empirisch aufgegriffen. Sie bilden deswegen auch keine einheitliche Reihe – etwa eine klare Stufenleiter – , sondern schwanken zwischen Neben- und Überordungen, obgleich es ihrer nur ganz wenige gibt. Auch ihre Abgrenzung gegeneinander sind nicht einwandfrei klargestellt. Fängt man von unten an, so kann man folgende Klassen unterscheiden:

  • I. Güterwerte, umfassend alle Nutz- und Mittelwerte, aber auch viele ganz selbständige Wertgebiete (solche mit echtem Eigenwert); u.a. auch die weite Klassen der Sachverhaltswerte.
  • II. Lustwerte, im Leben meist als das „Angenehme“ bezeichnet.
  • III. Vitalwerte – , das sind solche, die dem Lebendigen anhaften und sich an ihm je nach der Höhe, Entfaltung und Kraft des Lebens abstufen. Mittelbar hat alles Vitalwert, was dem Leben förderlich ist; Vitalunwert, was ihm verderblich ist.
  • IV. Sittliche Werte: zusammengefasst unter dem „Guten“.
  • V. Ästhetische Werte: zusammengefasst unter dem „Schönen“.
  • VI. Erkenntniswerte – eigentlich nur ein Wert: „Die Wahrheit“.“

* Quelle: „Ästhetik“; Nicolai Hartmann (Autor), Verlag Walter de Gruyter, 1953; 476 Seiten.

In seinem Buch „Ethik“* beschreibt er auf Seite 251 im 2. Hauptkapitel „Das Reich der ethischen Werte (Axiologie der Sitten) – I. Abschitt: Allgemeine Gesichtspunkte zur Werttafel. – 26. Kapitel: Von der Stellung sittlicher Werte im Reich der Werte überhaupt“:

„Wie sich sittliche Werte von anderen Werten unterscheiden, ist zum Teil schon erörtert worden(doppelseitige Relativität auf die Person, cf. Kap. 15d, e), zum Teil wir es sich erst in der Spezialanalyse einzelner Werte zeigen können. Soviel ist indessen leicht zu sehen, daß nicht alle Werte, die ethisch relevant sind – sei es nun im Sinne des Tunsollens oder der Teilhabe –, deswegen schon sittliche Werte sind. Das Ethos des Menschen ist auf eine Menge von Werten bezogen, die nicht sittliche Werte sind. Moralisches Verhalten ist zwar immer ein Verhalten gegen eine Person, aber doch zugleich immer ein Verhalten in bezug auf Wertvolles und Wertwidriges aller Art. Von diesem Gesichtspunkt hatte es schon einen guten Sinn, wie die Antike tat, die Güterlehre in die Ethik einzubeziehen. 
In gewissem Sinne darf man sagen, daß alles Seiende irgendwie praktisch unter Wertgesichtspunkte fällt, daß alles in der Welt, auch scheinbar Fernste und Indifferenteste sich unter der Perspektive der Ethik in Wertvolles und Wertwidriges scheidet. Dieselbe Welt, die in ihrer Ganzheit den ontologischen Phänomenen zugrunde liegt, gehört in ebenderselben Ganzheit auch zum ethischen Phänomen. Sie ist nicht weniger eine Welt von Gütern und Übeln als von Dingen und Dingverhältnissen. Gegeben wenigstens ist sie ebenso primär als jenes wie als dieses.“

* Quelle: „Ethik“; Nicolai Hartmann (Autor), Verlag Walter de Gruyter, entnommen aus Ausgabe 1962, 821 Seiten; Erstausgabe 1925, 746 Seiten.

Dieses umfangreiche, aber zunächst rein theoretische Wertemodell wurde später von seinem Schüler und Studenten Paul Helwig (1893-1963) übernommen und konkretisiert. So entstand das folgende beispielhafte Modell:

Wertemodell: Ursprüngliches Wertequadrat von Paul Helwig
Ursprüngliches Wertequadrat von Paul Helwig

Neben Paul Helwig haben auch andere Psychologen und Kommunikationsexperten die Ideen zum Wertequadrat von Nicolai Hartmann aufgegriffen, weiterentwickelt und unter eigenem Namen publiziert.

Letzte Bearbeitung dieses Abschnitts am 10.11.2018


Das „Wertequadrat“ (Friedemann Schulz von Thun) 

Zum Werte- und Entwicklungsquadrat können wir in der deutschen Wikipedia am 10.04.2018 lesen (Auszug aus dem Wikipedia-Artikel*):

„Das von Nicolai Hartmann (1926) stammende Wertequadrat hat Friedemann Schulz von Thun 1989 für die Belange der zwischenmenschlichen Kommunikation genutzt und mit dem Entwicklungsgedanken verbunden und dann Werte- und Entwicklungsquadrat genannt.
Mit Hilfe des Werte- und Entwicklungsquadrates könne es gelingen, für jede menschliche Qualität (z. B. Ehrlichkeit) die notwendige Gegenqualität („Schwestertugend“) zu finden (hier z. B. Takt und Sensibilität); erst beides zusammen lasse „den Regenbogen aufgehen“. Ehrlichkeit ohne Takt könne zur brutalen Offenheit verkommen, Takt ohne Ehrlichkeit zur höflichen Fassade. Habe man die Balance zweier Gegenwerte vor Augen, könne man auch die anstehende Entwicklungsrichtung entdecken: der eine neige zur Verabsolutierung der Ehrlichkeit und müsse entsprechend Takt und Sensibilität erobern; der andere übertreibe genau diese Qualität und solle lernen, ehrlichen Klartext zu sprechen.
Der Grundgedanke des Modells ist auf Aristoteles zurückzuführen (ca. 350 v. Chr.), wurde von Nicolai Hartmann (1926) weiterentwickelt und schließlich für die Psychologie entlehnt von Paul Helwig (1936).

Hartmanns Urbeispiel

Nicolai Hartmann hat den aristotelischen Gedanken in ein Wertequadrat übertragen und Paul Helwig hat es von ihm übernommen. In dem seit Aristoteles immer wieder auftauchenden Beispiel braucht es neben der Sparsamkeit auch Großzügigkeit, um nicht zum Geizhals zu verkommen und umgekehrt bewahrt die Balance mit der Sparsamkeit den Großzügigen vor der Verschwendung.
Die Entwicklungsrichtung findet sich in den Diagonalen. Wer die Sparsamkeit übertreibe und zum Geizigen werde, dessen Entwicklungspfeil zeige zur Großzügigkeit und komplementär empfehle es sich für den Verschwenderischen, die Sparsamkeit zu entwickeln.
Die Prämisse des Werte- und Entwicklungsquadrats von Schulz von Thun lautet: Jeder Wert (jede Tugend, jedes Leitprinzip, jede menschliche Qualität) könne nur dann seine volle konstruktive Wirkung entfalten, wenn er sich in ausgehaltener Spannung zu einem positiven Gegenwert, einer “Schwesterntugend” befinde. Ohne diese Balance könne der Regenbogen nicht aufgehen, verkomme ein Wert zu seiner entwerteten Übertreibung. Hier entfernt sich Schulz von Thun von Aristoteles und von Hartmann, da er die Begriffe Wert und Tugend gleich verwendet, während für Aristoteles die Tugend in dem kontinuierlichen Ausbalancieren von Spannungswerten besteht.

Anwendungen

In diesem Sinn und Geist wird das Werte- und Entwicklungsquadrat von Schulz von Thun auch für Beurteilungsgespräche genutzt oder für Rückmeldungen nach einem Assessment-Center. Ebenso wird es in der modernen Personalarbeit auch als Grundlage für 360°-Feedback genutzt. So wird das Aufzeigen von Verhaltensweisen weniger an Defiziten als an Stärken orientiert.“

* Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Werte-_und_Entwicklungsquadrat

Hier das ebenfalls aus Wikipedia (gleiche Quelle) entnommene Schaubild:

„Werte- und Entwicklungsquadrat“ nach Prof. Dr. F. Schulz von Thun
„Werte- und Entwicklungsquadrat“ nach Prof. Dr. F. Schulz von Thun

Letzte Bearbeitung dieses Abschnitts am 10.11.2018


Wertemodell nach Shalom H. Schwartz

Die Psychologen Shalom H. Schwartz und Wolfgang Bilsky haben in den 1980er Jahren die Frage gestellt, ob es so etwas wie globale Werte gibt, welche alle Menschen gemeinsam haben. Das Ergebnis ist ein heute oft zitiertes Wertemodell.

Konkret definierte Schwartz zuvor, dass die Werte einer Person, die sich auf deren Ziele ausrichten, zwar abstrakt, aber als sogenannte Konzepte bzw. Überzeugungen definiert werden können. Diese Werte bilden sogenannte Leitlinien (Grundwerte) aus, welcher eine Person folgen kann. Dadurch kann die Identität eines Menschen herausgebildet werden.

Schwartz entwickelte zunächst ein weitläufig anerkanntes Wertemodell, welches aus 10 Werten besteht. Er stellte bestimmte Werte in seinem Modell gegenüber, ähnlich wie wir es im Einzelnen mit mit „Antonyme Werte“ praktizieren. So stehen sich bei Schwartz zum Beispiel folgende Wertekonzepte gegenüber:

Offenheit für Wandel
(Selbstbestimmung, Stimulation, Hedonismus)
versusBewahrung des Bestehenden
(Sicherheit, TraditionKonformität)
Selbststärkung
(Leistung, Macht)
versusSelbstüberwindung
(Universalismus, Humanismus)

Es wird behauptet, dass dieses Modell übereinstimmend und weltweit in unterschiedlichen Kulturen Anwendung findet. Schaubilder in deutscher Sprache waren bis 2019 auf der Website der Uni Jena zu finden, wurden aber leider gelöscht oder unauffindbar verschoben (alter Link: http://www.migration.uni-jena.de/project4/values/index.php).

Später hat Schwartz mit anderen Wissenschaftlern sein eigenes Modell überprüft und revidiert. So sind es nun 19 Werte, die zu 4 sogenannten Wertedimensionen zusammengezogen (komprimiert) wurden:

Die 19 Werte (Schwartz)

  1. Selbstbestimmtes Denken: eigene Gedanken und Fähigkeiten fördern wollen. Fragebogenitem: „Ihm ist wichtig, sich eine eigene Meinung zu bilden und ungewöhnliche Ideen zu haben.“
  2. selbstbestimmtes Handeln: das eigene Handeln bestimmen wollen. Fragebogenitem: „Ihr ist wichtig, alles möglichst unabhängig zu tun.“
  3. Anregung (stimulation): Anregung, neue Dinge und Herausforderungen suchen. Fragebogenitem: „Er denkt, dass es wichtig ist, alle möglichen neuen Erfahrungen zu machen.“
  4. Genussstreben (hedonism): auf Vergnügen und Sinnesfreuden aus sein. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, die Freuden des Lebens zu genießen.“
  5. Erfolgsstreben (achievement): Erfolg gemäß gängigen Standards suchen. Fragebogenitem: „Sehr erfolgreich zu sein, ist ihm wichtig.“
  6. Vormachtstellung (dominance): nach Macht streben, um andere damit zu steuern. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, die einzige zu sein, die anderen sagt, was sie tun sollen.“
  7. Ressourcenkontrolle (resources): nach Macht streben, um damit über Sach- und Finanzmittel zu verfügen. Fragebogenitem: „Das Gefühl der Macht, das Geld einem gibt, ist ihm wichtig.“
  8. Ansehen (face): das eigene Image pflegen wollen und vermeiden, dass man bloßgestellt wird. Fragebogenitem: „Ihr ist wichtig, das eigene Image zu schützen.“
  9. persönliche SicherheitSicherheit in seiner unmittelbaren Umgebung suchen. Fragebogenitem: „Es ist ihm wichtig, in einem sicheren Umfeld zu leben.“
  10. gesellschaftliche SicherheitSicherheit und Beständigkeit in der Gesellschaft schätzen. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, dass sich ihr Land gegen alle Bedrohungen schützt.“
  11. Tradition: kulturelle, familiäre und religiöse Traditionen hochhalten. Fragebogenitem: „Familiäre oder religiöse Bräuche zu pflegen, ist ihm wichtig.“
  12. Angepasstheit hinsichtlich Regeln: Regeln, Gesetze und Pflichten befolgen. Fragebogenitem: „Ihr ist es wichtig, auch dann Regeln zu befolgen, wenn es keiner mitbekommt.“
  13. Angepasstheit gegenüber anderen: vermeiden, dass man jemanden ärgert oder ihm schadet. Fragebogenitem: „Es ist ihm wichtig, dass er andere nicht ärgert.“
  14. Bescheidenheit (humility): erkennen, dass man selbst im Gesamtgefüge relativ bedeutungslos ist. Fragebogenitem: „Es ist ihr wichtig, damit zufrieden zu sein, was sie hat und nicht nach mehr zu streben.“
  15. Fürsorge (caring): um das Wohlergehen von Angehörigen einer Gruppe (z.B. der Familie) bemüht sein, die einem nahesteht. Fragebogenitem: „Sich um das Wohlbefinden jener zu sorgen, die ihm nahestehen, ist ihm wichtig.“
  16. Verlässlichkeit (dependability): ein verlässliches und vertrauenswürdiges Mitglied einer bestimmten Gruppe (z.B. des Freundeskreises) sein wollen. Fragebogenitem: „Ehrlich zu denen zu sein, die ihr nahestehen, ist ihr wichtig.“
  17. gesellschaftliche Belange (17) (concern): sich für die Gleichheit, die Gerechtigkeit und den Schutz aller Menschen einsetzen. Fragebogenitem: „Ihm ist wichtig, diejenigen der Gesellschaft zu schützen, die schwach und verletzlich sind.“
  18. die Natur schützen: die natürliche Umwelt bewahren wollen. Fragebogenitem: „Sie ist fest davon überzeugt, dass sie die Natur schützen muss.“
  19. Andersartigkeit anerkennen (tolerance): diejenigen verstehen und anerkennen wollen, die anders sind als man selbst. Fragebogenitem: „Ihm ist wichtig, Menschen zuzuhören, die anders sind als er selbst.“

Quelle und zusammenfassende sowie kritische Beschreibung mit der Liste aller 19 Werte findest Du hier:
https://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/magazin/die-entscheidenden-werte-eines-menschen/56/

Die vier Wertedimensionen

  1. Wachstum: ängstlicher Selbstschutz am einen Ende der Dimension (mit dem Wert Sicherheit) und angstfreies Wachstum am anderen Ende der Dimension (mit dem Wert selbstbestimmtes Denken)
  2. Gemeinschaftsbezug: vom persönlichen Fokus (Genussstreben) bis zum gemeinschaftlichen Fokus (Wohlwollen)
  3. Selbstbezug: von „sich selbst verbessern wollen“ (Macht) bis hin zu „sich selbst übersteigen“ (das Ganze im Blick)
  4. Veränderung: vom Bewahren (Tradition) bis zum Verändern (Anregung)

Anmerkung: Das Modell von Schwarz war seinerzeit richtungsweisend, wird aber heute oft kritisiert. So wird es auch in unserer Arbeit nur aus historischen Gründen erwähnt und in vielen Teilen für praktische Anwendungen optimiert.

Letzte Bearbeitung am 18.01.2019


Psychosynergetik (D. Hansch) 

Die Fraktale Evolution des Psychischen. Grundlagen einer Allgemeinen Psychotherapie

Taschenbuch – 1. Januar 1997 – von Dietmar Hansch 

Klappentext: „Die immer breitere Anwendung moderner Selbstorganisationstheorien wie der Synergetik in den Neurowissenschaften und der Psychomotorik-Forschung bereitet einen Paradigmenwechsel von einer instruktionistischen zu einer emergentistischen Psychologie vor. Psychische Prozesse werden hier nicht als computeranaloge Informationsverarbeitungsprozesse modelliert, sondern als evolvierende komplexe Systeme, deren nichtlineare Dynamik Information kreiert. Faszinierend sind die Bezüge, die sich zur Gestaltpsychologie ergeben. Zentrale gestalttheoretische Konzepte können in einem modernen theoretischen Rahmen reinterpretiert und weiterentwickelt werden. Als physiologisches Pendant von „Gestalt“ erweisen sich dabei neuronale dissipative Strukturen. Die „Sprache der Dynamik“ erfasst sowohl die psychologische als auch die physiologische Ebene, und es gibt erste experimentelle Belege für eine „psychophysische Isodynamik“. Nur geringe theoretische Beachtung hat bisher die vielfach belegte Beziehung zwischen Gestaltqualität und Emotionalität gefunden: „gute Gestalt“ ist regelhaft mit positiven und „schlechte Gestalt“ mit negativen Emotionen verbunden. Vor diesem Hintergrund wird folgende Kernthese formuliert: Es existiert ein emotionales Bewertungssystem für die evolutive Stabilität und Komplexität menschlicher Tätigkeitsprozesse. Neben der bekannten, auf statische Objekteigenschaften bezogenen emotionalen Bewertung im Rahmen der basalen physiologischen Bedarfssysteme erfolgt hier also eine Bewertung dynamischer Prozesseigenschaften des aktual-emergenten Tätigkeitsgeschehens. Die hierbei resultierenden Stimmigkeits- und Unstimmigkeitsempfindungen komprimieren die Gesamtkomplexität des Tätigkeitsprozesses auf die funktionell entscheidenden Parameter und machen ihn so für ein Bewusstsein mit geringer „Kanalbreite“ erst ganzheitlich beherrschbar. Phänomene wie intrinsische Motivation, „nichthomöostatische“, auf persönliches Wachstum gerichtete Bedürfnisse, ästhetisches Empfinden und die subtile Wechselwirkung von Kognition und Emotion im kreativen Denkprozess erfahren so eine neuartige Deutung. Die phylogenetisch abgeleiteten Funktionssysteme werden zu einem praktisch handhabbaren Rahmenmodell des Psychischen integriert. Nach einer Reinterpretation bestehender Psychotherapieformen und ihrer Integration auf dieser Grundlage wird eine Allgemeine evolutionistische Psychotherapie im Grundriss erkennbar.“

Über den Autor

Dr. med. Dietmar Hansch studierte Medizin, Physik und Philosophie in Berlin und Hagen. Er arbeitet als Arzt an der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie am Virchow-Klinikum, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.

Letzte Bearbeitung am 10.11.2018


Humanistisches Werte-System (R. Kuhr) 

Versuch zu einer Neu-Orientierung

Recht veraltete Website, aber mit einem interessanten Modellversuch. Im Kontext geht es um Humanität und Gerechtigkeit: http://www.humanistische-aktion.de/werte.htm

Autor: Rudolf Kuhr, Amperstraße 32, D-82296 Schöngeising

Ein Auszug:

Humanismus

„Bisher lediglich als schulische Bildungsrichtung und als Geschichtsepoche der Aufklärung verstanden, kann uns heute der Begriff des Humanismus in geradezu idealer Weise als eine allem anderen übergeordnete Orientierung dienen. Im Vergleich zu allen anderen Ideologien, die nicht das eigentliche Ziel, sondern den Weg oder den Wegbereiter im Namen tragen, ist das Ideal des Humanismus Weg und Ziel in einem. Dies wirkt einem Abweichen vom eigentlichen Ziel, das ja wohl bei allen Ideologien hauptsächlich in der Vervollkommnung der Menschlichkeit liegt, bereits vom Namen her entgegen. Darüber hinaus grenzt der, umfassend als Menschentum verstandene, Humanismus niemanden aus, sondern integriert alle Menschen unserer einen Welt.“

Das Wertemodell (Wertesystem) nach Rudolf Kuhr
Das Wertemodell (Wertesystem) nach Rudolf Kuhr

Funktion des Werte-Systems 

„In dem dargestellten Kreis von Grund-Werten sind die wesentlichen, zusammengehörenden Aufgaben für eine humanistische Orientierung enthalten, durch ihre Verbindung miteinander wird einem Sichverlieren in untergeordneten Aufgabenbereichen vorgebeugt. Obwohl der Begriff Regelkreis allgemein in der Technik und mit exakten naturwissenschaftlichen Größen verwendet wird, lässt er sich entsprechend für den menschlichen Bereich verwenden. Der Begriff Menschlichkeit stellt zugleich sowohl den Ist-Wert, als auch den Soll-Wert dar. Der Ist-Wert besteht in dem derzeit bestehenden Zustand des einzelnen Menschen. Der Soll-Wert besteht in seinen humanistischen Idealen, die bekanntlich nie ganz erreicht werden können, die aber stets eine Richtung weisen. Der Regelkreis funktioniert in der Weise, dass sich ein mehr oder weniger mündiger Mensch, der sinnvoll leben möchte, selbständig anhand der in diesem Kreis enthaltenen Begriffe überprüfen kann, wo er derzeit steht und wo er sich hinbewegen will. Ein Einstieg ist überall möglich, Reihenfolge und Richtung sind frei, Querverbindungen möglich, weil alles mit allem in Zusammenhang steht und voneinander abhängt. Vorrang hat lediglich Menschlichkeit als der allem übergeordnete Wert. Mündigkeit und Aufklärung dürften derzeit als nachgeordneten Werten größere Aufmerksamkeit zustehen, während äußere Freiheit heute in unserer Gesellschaft in einem großen, bisher nie dagewesenen Ausmaß vorhanden ist, so dass bezüglich dieses Wertes vermehrt nach der inneren Freiheit gefragt werden muss, und es muss vor allem gefragt werden: Freiheit wofür?!“

Rudolf Kuhr listet einige Begriffe auf seiner Website auf:

Nachfolgend einige Begriffe, die dazu beitragen können, uns mit den Merkmalen positiver Menschlichkeit auseinanderzusetzen, um unsere Möglichkeiten zu ihrem Entstehen zu erkennen, sie zu praktizieren und so schließlich wieder mehr Menschlichkeit in der Gesellschaft und in der Welt entstehen zu lassen. Die Sammlung enthält auch einander sehr ähnelnde Begriffe, um die Fülle und Vielfalt des vorhandenen Angebotes zu verdeutlichen, und sie ist in alphabetischer Reihenfolge geordnet, um den Lesern ein Finden und Ergänzen zu erleichtern.

Liste der Werte nach Kuhr

Achtsamkeit, Achtung, AkzeptanzAnerkennungAnmut, Anregung, Anstand, Anständigkeit, Anteilnahme, Auffassungsgabe, Aufgeschlossenheit, Aufklärung, Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit, AusdauerAusgeglichenheit, Begabung, Begleitung, Beharrlichkeit, Behutsamkeit, Bekräftigung, Beschaulichkeit, Bescheidenheit, Besinnlichkeit, Besinnung, Besonnenheit, Beständigkeit, Bestärkung, Bewusstsein, BildungDankbarkeitDemokratieDemut, Denkvermögen, Distanz, Duldsamkeit, Durchblick, Durchsetzungsvermögen, Echtheit, Edelmut, Ehre, Ehrerbietung, Ehrgefühl, Ehrlichkeit, Eigenständigkeit, Eigenverantwortlichkeit, Einfühlung, Einsichtigkeit, Empfindsamkeit, Entgegenkommen, Entschlossenheit, Erbarmen, Erfahrung, Erkenntniswille, Erlebnisfähigkeit, Ermutigung, Ethik, Feierlichkeit, Feingefühl, Festigkeit, Festlichkeit, Folgerichtigkeit, Freiheit, Freizügigkeit, FreudeFreundlichkeitFreundschaft, Friedlichkeit, Ganzheitlichkeit, Geduld, Gefühl, Gegenseitigkeit, Geist, Geistesfreiheit, Gemeinnützigkeit, Gemeinsamkeit, Gemüt, Genügsamkeit, Gelassenheit, Genossenschaft, Gerechtigkeit, Gesetz, Gesinnung, Gesprächsbereitschaft, Gespür, Gestaltungskraft, Gewissen, Gewissenhaftigkeit, Gewissheit, Glaube, Glaubwürdigkeit, Großherzigkeit, GroßmutGroßzügigkeitGüte, Gütekraft, HerzlichkeitHilfsbereitschaft, Hoffnung, Identität, Innerlichkeit, InteresseKlugheit, Konsequenz, Konstruktivität, Kommunikationsfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Kooperation, Kreativität, Kritik, Kritikfähigkeit, Kühnheit, Kunstverständnis, Lauterkeit, Lernbereitschaft, Lernfähigkeit, Liebe, Liebesfähigkeit, Liebenswürdigkeit, Logik, Lust, Menschenrechte, menschliche Größe, – Reife, Menschlichkeit, Milde, Mitgefühl, Mitmenschlichkeit, Moral, Mündigkeit, Musikalität, Muße, Mut, Nachdenklichkeit, Nachsicht, Nähe, Natürlichkeit, Offenheit, Offenherzigkeit, Ordnung, Ordnungswille, Recht, Realitätssinn, Redlichkeit, Religiosität, Respekt, Reue, Risikobereitschaft, Rückbindung, Rücksichtnahme, Sanftheit, Schätzung, Selbstachtung, Selbständigkeit, Selbstbehauptung, Selbstbeherrschung, Selbstbeobachtung, Selbstbeschränkung, Selbstdisziplin, Selbsteinschätzung, Selbstkontrolle, Selbstkritik, Selbstsicherheit, Selbstüberwindung, Selbstverantwortung, Selbstvertrauen, Selbstwahrnehmung, Sicherheit, Sinn, Sinnerkenntnis, Sitte, Solidarität, Stabilität, Standhaftigkeit, Strebsamkeit, Takt, Toleranz, Trauerfähigkeit, TreueTugend, Überblick, Unabhängigkeit, Unbefangenheit, Unternehmensgeist, Unterstützung, Unvoreingenommenheit, Urteilsvermögen, Verantwortlichkeit, Verbindlichkeit, Verbundenheit, Verlässlichkeit, Vernunft, Verschwiegenheit, Versöhnlichkeit, Versöhnungsbereitschaft, Verständnis, Verständigung, Vertrauen, Vertrauensvorschuss, Vertrauenswürdigkeit, Vision, Vorausschau, Vorsicht, Vorstellungskraft, Wärme, Wagemut, Wahrhaftigkeit, Wahrnehmungsfähigkeit, Wandlungsfähigkeit, Warmherzigkeit, Weisheit, Weitherzigkeit, Wert, Wertschätzung, Wesentlichkeit, Wissen, Witz, Wohlwollen, Würde, Zivilcourage, Zusammenarbeit, Zusammengehörigkeit, ZuverlässigkeitZuversicht, Zuwendung.

Quelle: www.humanistische-aktion.de/werte.htm (März 2018)

Letzte Bearbeitung am 10.11.2018


Sammlung von Werten (Friedrich Schorlemmer) 

„Das Buch der Werte“ (1995)

Gebundene Ausgabe und Taschenbuch, 1995 von Friedrich Schorlemmer (Herausgeber)

Ein Buch über Tugenden, Moral und Werte. In einer immer mehr materiellen und leistungsorientierten Gesellschaft zählt offensichtlich Egoismus mehr als Nächstenliebe. Doch gibt es auch hoffnungsvolle Tendenzen: Viele Menschen zeigen Verantwortungsbewusstsein im Denken und Handeln – gerne auch für Andere.

Die Frage nach Ethik und Moral wird in diesem beeindruckenden Buch richtungsweisend gestellt, mit einer wahren Schatz-Sammlung aus literarischen Texten.

Wertebegriffliche Kategorien

Schorlemmer fasst hier folgende Wertebegriffe in einzelnen Kapiteln zusammen:

  1. WeisheitKlugheit
  2. Gerechtigkeit, Gleichheit, Rechtschaffenheit, Redlichkeit
  3. MutTapferkeit, Zivilcourage
  4. BesonnenheitGelassenheitBeharrlichkeit, Standhaftigkeit
  5. Glaubensstärke, Gottvertrauen
  6. Nächstenliebe, Mitleid, Erbarmen, Mitmenschlichkeit
  7. FreundschaftHingabe
  8. Toleranz, Weltoffenheit
  9. FreiheitUnabhängigkeit
  10. SolidaritätLoyalitätTreue
  11. Friedenswille, Gewaltlosigkeit
  12. Gemeinsinn, Verantwortungsbewusstsein, Verlässlichkeit
  13. Tat- und Schaffenskraft, Arbeitsamkeit, Fleiß
  14. Selbsterziehung, maßvolles Handeln, Selbsterkenntnis
  15. Naturbewahrung, ökologische Verantwortung

Anmerkung: Das Buch wird derzeit nicht mehr aufgelegt, ist aber aktuell noch bei Gebrauchthändlern zu bekommen: http://amzn.to/2EhMGn2

Letzte Bearbeitung am 10.11.2018


Sammlung von Tugenden (Ulrich Wickert)

„Das Buch der Tugenden“ (1995)

Gebundene Ausgabe – 1. Februar 2009 von Ulrich Wickert (Autor); auch als Taschenbuch (2010) verfügbar; Erstausgabe: 1995.

Text des Verlages:

„Von Aristoteles bis Max Frisch, von Äsop über Johann Wolfgang von Goethe bis Albert Camus: In der gesamten Weltliteratur hat Ulrich Wickert die Antworten auf die Frage gesucht, die jedes Leben bestimmt: Was ist gut?  Ein Buch über so etwas scheinbar altmodisches wie Tugend – und wird ein überragender Bestseller! Als Ulrich Wickert 1995 seine persönliche Auswahl von philosophischen und literarischen Texten vorlegte, hätte das niemand vermutet. Aber diese Sammlung ist einzigartig: Sie enthält die entscheidenden Verhaltensregeln, die Menschen in der gesamten Geschichte gefunden haben. Philosophen, Dichter, Theologen, Weisheitslehrer von der Antike bis zur Gegenwart hat Wickert versammelt. Jede Generation muss neu definieren, was sie unter GerechtigkeitMutSolidaritätToleranz, Wahrhaftigkeit versteht – und genau das versucht dieses Buch. Es sind Wickerts ganz persönliche Lesefrüchte.“

Anmerkung: Das Buch wird derzeit nicht mehr aufgelegt, ist aber aktuell noch bei Gebrauchthändlern zu bekommen: https://amzn.to/2EB2qgF

Letzte Bearbeitung am 10.11.2018


Europäische Werte (Peter Prange)

Buch „Werte: Von Plato bis Pop – Alles, was uns verbindet“ (2006/2016)

Taschenbuch, 25. Februar 2016 (Erstausgabe 2006) von Peter Prange (Autor)

Auszug aus der Beschreibung des Verlages:

„Was unterscheidet uns Europäer vom Rest der Menschheit? Was sind unsere Werte? Wie sind sie entstanden und wie wirken sie fort? Was wir sind und woran wir glauben, erfahren wir in der abendländischen Geistesgeschichte: bei Plato und Tolstoj, bei Rousseau und Casanova, bei Goethe und den Beatles. Die Werte, die sie uns vermitteln, sind nicht nur unsere Herkunft, sondern auch unsere Zukunft. Peter Prange hat sie in diesem Buch versammelt: ein Hand- und Lesebuch, das unsere Werte zu neuem Leben erweckt. Alle suchen nach Werten – dabei sind sie längst da! In zwanzig spannenden Entdeckungsreisen entführt uns Peter Prange in den Wertekosmos der europäischen Geistesgeschichte – quer durch die Epochen und Nationen, durch Mythologie und Philosophie, Literatur und Theologie, Folklore und Popkultur. Dabei erfahren wir, welche Lehren wir aus den Texten von Ovid, Ibsen und John Lennon über die Liebe ziehen können, was Dante, Pascal und Einstein über Glaube und Vernunft zu sagen haben und wie Augustinus, Calderón und Stephen Hawking das Verhältnis von Schönheit und Wahrheit deuten. Denn was immer wir fühlen und denken, was immer wir hoffen und tun – überall ist der europäische Geist längst in uns am Werke. Ein engagiertes und streitbares Plädoyer für das „alte“ Europa. Ein Buch, das unserer Kultur eine Seele gibt.“

Link zum Buch: http://amzn.to/2E2OOLM

Letzte Bearbeitung am 10.11.2018


Das „KOHEBA-Wertemodell“ (Frank H. Sauer) 

Die Werte-Matrix (mit dem KOHEBA-Modell) ermittelt die tatsächlichen persönlichen Werte, welche Orientierung im Leben geben – besonders bei zu treffenden Entscheidungen sowie integritätskonformen Beurteilungen von Sachverhalten, Personen (deren Wertesysteme, Muster, Persönlichkeitsmerkmale etc.) und den persönlich zu präferierenden Interessen und Neigungen (Projekte, Jobs, Wohnorte, Umfeld, Verbündete etc.).

Diese Methode umgeht den rationellen (bewertenden, fokussierten, konditionierten) Verstand und kategorisiert die persönlichen Werte in die drei verorteten „Ambitionierungs-Bereiche“: 
Kopf (Verstand), Herz (Emotion), Bauch (Intuition).

Eine kurze Beschreibung (mit Schaubildern) findest Du hier in der VA: Das KOHEBA-Wertemodell
Eine ausführliche Beschreibung findest Du auf Werteland.com: KOHEBA-Wertemodell

Letzte Bearbeitung am 12.12.2021


Die „Reiss-Profile“

Motivations- und Wertemodell nach Steven Reiss

Der US-amerikanische Psychologe Steven Reiss ist Begründer der „Reiss Motivation Profile®“. Er entwickelte diese seit Mitte der 1980er Jahre, wobei er sich zunächst mit Angststörungen und Entwicklungsstörungen beschäftigte, um sich dann konkret den menschlichen Motiven zu widmen.

Reiss unterscheidet Motive in „feel good-happiness“ (Glück durch einfaches Wohlfühlen) und „value-based-happiness“ (werteorientiertes Glück).

Die 16 Lebensmotive

Anmerkung: Obgleich die Reiss-Profile sehr bekannt sind und zahlreich Anwendung finden, so sind sie auch sehr umstritten. Es ist anzumerken, dass von Steven Reiss das Thema Motivstrukturen sehr oberflächlich behandelt wurde, aber der Bezug sowie die teilweise Einordnung zu Wertvorstellungen relativ gut hergestellt werden konnte. Auch wenn dies nicht konkret behandelt wurde.

Zitate

„Menschen haben eine natürliche Neigung zu denken, ihre Werte sind die besten, nicht nur für sich selbst, sondern für alle Menschen.“

„Es macht keinen Sinn zu versuchen, eine andere Person zu motivieren, indem man an Werte appelliert, die diese nicht hat.“

Steven Reiss (1947-2016)

Letzte Bearbeitung am 29.12.2018


Das „Erwartung-mal-Wert-Modell“ 

Erklärungsmodelle der Entstehung von Handlungsabsicht

Erwartung-mal-Wert-Modelle werden insbesondere in der Verhaltensökonomik (eine Disziplin der Wirtschaftswissenschaft) eingesetzt. Diese Modelle ergründen sogenannte Handlungsabsichten, die mit Motiven in Verbindung gebracht werden. 

Es werden die einer Handlung zugrunde liegenden Motive in zwei Abwägungen bzw. subjektive Einschätzungen eingeteilt, welche zumeist schnell und unbewusst durchgeführt werden:

  1. die Erwartung der wahrscheinlichen Folgen einer Handlung
  2. der Wert der Folgen einer Handlung

Das Motiv, welches ein bestimmtes Verhalten (Entscheiden, Handeln) auslöst, ist emotional und/oder rational gesteuert. Es zielt im optimalen Fall auf das Produkt der beiden Operanden E = Erwartung (Ergebnis, Konsequenz) und W = Wert.

Somit ergibt sich die Formel: M = W × E (Motiv = Wert x Erwartung).

Erwartung-mal-Wert-Modelle bedienen sich dem mathematischen Prinzip „Erwartungswert“.

Die Motivation kann somit sein, sich zu entscheiden für die Option, welche ein hoher Wert aber geringe Erfolgsaussichten hat oder die Option, bei der ein geringer Wert durch hohe Erfolgsaussichten kompensiert wird.

Wert-Erwartungstheorie

Erwartung-mal-Wert-Modelle korrelieren mit der Wert-Erwartungstheorie, welche auf sechs Annahmen aufgebaut ist:

  1. Jedes Handeln ist eine Wahl zwischen Alternativen
  2. Jedes Handeln hat Folgen
  3. Die Folgen werden vom Akteur bewertet
  4. Die Folgen treten mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit auf (beim Akteur: Erwartungen)
  5. Handlungsalternativen werden einer Evaluation (bzw. Gewichtung) unterzogen („WE-Gewicht“)
  6. Es wird stets die Handlungsalternative ausgewählt, deren „WE-Gewicht“ maximal ist.

Die Grundthese lautet: „Versuche dich vorzugsweise an solchen Handlungen, deren Folgen nicht nur wahrscheinlich, sondern Dir gleichzeitig auch etwas wert sind! Und meide ein Handeln, das schädlich bzw. zu aufwendig für Dich ist und/oder für Dein Wohlbefinden keine Wirkung hat!“ 

Quelle von Liste und Zitat: Hartmut Esser (1999) Kapitel 7, S.248

Letzte Bearbeitung am 09.10.2018


Zusammenfassung

Hinweis: Bei Interesse unserer Leser (bitte schreibe uns in diesem Fall bei Werteland.com) werden wir weitere Werte-Modelle (auch Werte-Konzepte und Werte-Systeme) in Form eines Summary weiter beschreiben und kommentieren.


Letzte Änderung dieser Seite am 07. Februar 2022

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