Bildung

Wortformen: bilden, bildend, gebildet, Gebildetsein

Synonyme

Ausformung, Belehrung, Wesensart, Gestalt, Ausbildung, Erfahrung, Formung, Lehre, Lektion, Übung, Schulung, Entfaltung, Entwicklung, Erkenntnis, geistiger Überblick, Wachstum,  Gelehrtheit, Reife, WeisheitKlugheit, Gewissheit, Weltkenntnis, Lebensart, Lebensweise, Belesenheit

Ähnlich: Wissen, Erziehung, Schule, Einweisung, Urteilsfähigkeit

Englisch: education, formation (Ausbildung), forming (Gestaltung), culture (Kultur), shaping (Gestaltung, Prägung)


Wortherkunft

Der Begriff Bildung stammt vom althochdeutschen „bildunga“ (11. Jh.) = „Schaffung (Schöpfung), Formung (Bildnis), Gestalt (Geschöpf)“ ab und ist die substantivierte Form von „bilden“ (9. Jh.) = „formen, gestalten, hervorbringen, darstellen, sein“.


Definition

Der Vorgang des Entfaltens der geistigen Anlagen sowie dessen Ergebnis; auch „Schaffung, Formung, Gestalt“; spezifisch konkreter: 

  • die Formung des Menschen im Hinblick auf sein Menschsein, insbesondere seiner geistigen Fähigkeiten,
  • das Ergebnis (Produkt) dieser Formung – sowie
  • das Ergebnis von Erziehung (Nähren, Hegen, Pflegen).

Beschreibung

Bildung ist ein übergeordnetes kulturelles Ziel, welches man insbesondere mit staatlichen Systemen – allen voran der „Schule“ – zu erreichen versucht. Allerdings hat das heutige Schulsystem nur sehr wenig mit dem Kontext der historischen und fundierten Definitionen des Begriffs „Bildung“ zu tun.

Gute Ausbildung durch vorbildhafte Lehrer sowie persönliches Coaching und Mentoring sind als Instrumente von Bildung wichtig. Es geht hierbei um das individuelle Begleiten sowie das Schaffen von Bewusstsein für eigene Stärken, Talente, Fähigkeiten, Ziele und Werte. Dabei werden diese entfaltet und „herausgebildet“.

Wertesymmetrische Betrachtung

Neben „sozialer Gerechtigkeit“ ist der Begriff Bildung seit Jahrzehnten ein Klassiker in jeder politischen Diskussion. Zahlreiche Bildungsreformen wurden angekündigt und einige davon umgesetzt. Doch der systemische Kern wurde nie verändert: Noch heute existiert der preußische Gedanke, fleißige, treue Untertanen heranzuzüchten.

Heute treibt es immer mehr Eltern um, für ihre Kinder eine optimale Vorbereitung auf das tatsächliche Leben zu fordern.

Offensichtlich ist nicht bekannt, was der Begriff Bildung bedeutet, weswegen am Thema und dem ursprünglich gewollten Kontext vorbei reformiert wird. Um 1300 führte Meister Eckhart das Wort Bildung als substantivierte Form von „bildunga“ (siehe Wortherkunft) erstmals in die deutsche Sprache ein. Er beschrieb es als das „Erlernen von Gelassenheit“, mit dem Ziel, der Mensch soll Gott ähnlich werden.

Im Zuge aller Reformationen, der Aufklärung und anderen Transformationen von Wertesystemen wurde diese ursprüngliche Definition 450 Jahre lang beibehalten. Und auch heute noch ist sie (unbewusst) gültig. Lediglich der Begriff „Gott“ wurde durch die jeweils neue Obrigkeit ausgetauscht – z. B. materieller Reichtum, Status, Konsumgüter, angebetete Gurus, vorbildhafte Influencer, Mega-Stars etc.


Chronologische Ableitungen

Um 1300 > Entstehung des Begriffs

Der Theologe und Philosoph Meister Eckhart (1260-1328) führe den Begriff Bildung in die deutsche Sprache ein. Er beschrieb es, als das „Erlernen von Gelassenheit“, mit dem Ziel, der Mensch soll Gott ähnlich werden. Dabei wird Bildung von außen an den Menschen herangetragen. Seine Aufgabe besteht demnach darin, sich der von Gott gegebenen Bildung hinzugeben. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts blieb diese Denkweise bestehen.

Um 1650 > Bildung zur Menschlichkeit

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erhoffte sich der Philosoph und Pädagoge Johann Amos Comenius (1592-1670) eine friedliche Welt, indem der Mensch systemisch von Kindheit an zu menschlichem Verhalten angeleitet werden soll. Insbesondere das sorgfältige Denken und Sprechen. Man ging davon aus, dass der Mensch grundlegend verroht sei. Der damals verwendete lateinische Begriff „eruditus“ (gebildet, aufgeklärt) bedeutet etymologisch „ent-roht“.

Um 1760 > Bildung zum frei handelnden Wesen

Der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) schrieb in seiner Publikation „Über Pädagogik die Aufgabe von Bildung“:

„Die Pädagogik oder „Erziehungslehre ist […] Erziehung zur Persönlichkeit, Erziehung eines frei handelnden Wesens, das sich selbst erhalten, und in der Gesellschaft ein Glied ausmachen, für sich selbst aber einen inneren Wert haben kann.“

Um 1800 > Bildung für jeden zur Vervollkommnung des Selbst

Der preußische Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt (1767-1835) machte Bildung zum Programm. Für jeden sollte Bildung möglich sein. Er erschuf ein mehrgliedriges Schulsystem, in dem jeder nach seinen Fähigkeiten und den Anforderungen, die die Gesellschaft an ihn stellt, gefördert wird. Zu diesem Zeitpunkt ging es Humboldt noch darum, die eigene Vervollkommnung zu erlangen und nicht darum, materielle Ziele zu erreichen.

Um 1890 > Bildung als Status

Im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) findet eine entscheidende Wende statt: weg von Bildungsinhalten und hin zu modernen Lehrinhalten. So postulierte der Pädagoge und Philosoph Friedrich Paulsen (1846-1908), dass Bildung möglichst auch Gewinn bringen soll. Dadurch wurde Bildung zum gesellschaftlichen Statussymbol und sozialem Bewertungskriterium.

Um 1964 > Systematische Bildung

Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki (1927-2016) verordnete Bildung das primäre Ziel, drei grundlegende Fähigkeiten herzustellen: Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität. Bildung soll die „humanen Fähigkeiten“ umfassen und darüber hinaus nachstehendes fördern: Handwerk, Technik, ästhetische Wahrnehmung, Beziehung, Gestaltung, Urteilsfähigkeit sowie die ethische und politische Handlungsfähigkeit. Als soziale Komponenten kommen folgende Fähigkeiten hinzu: Kritik, Argumentation, Empathie und vernetztes Denken.

Heute

Noch haben wir eine „schulische Ideologie“, die ihren wesentlichen Ursprung im 19. Jahrhundert hat und als sogenanntes „preußisches Schulsystem“ international Vorbildcharakter genoss. Es wurden militärisch anmutende Gebäude und Strukturen geschaffen, in denen fleißige, aufmerksame, ordentliche, disziplinierte und willfährige Bürger „gebildet“ bzw. „aufgezogen“ werden, um staatlichen und wirtschaftlichen Interessen zu dienen.

Rufe nach besseren Bildungssystemen

Prominente Vertreter verschiedener akademischen Bereiche fordern ein Umdenken, hin zu mehr Lust und Freude am Entdecken durch interessante, interdisziplinär gestaltete Lehrinhalte. Sie werden dabei konkret und bekommen viel Zuspruch von Eltern, Schülern und Lehrern. Hier ein paar seriöse, öffentlich bekannte und gleichzeitig sehr deutlich argumentierende Vertreter:

  • ab 1980: Vera F. Birkenbihl (Autorin für Lerntechniken)
  • ab 2006: Sir Ken Robinson (Autor, Berater)
  • ab 2012: Richard David Precht (Philosoph, Autor)
  • ab 2012: Gerald Hüther (Hirnforscher, Autor)
  • ab 2014 Henning Beck (Neurowissenschaftler)
  • ab 2016: Harald Lesch (Astrophysiker, TV-Moderator)

Zukunft der Bildung

Aktuell richten sich einige staatliche und private Schulen auf die Herausforderungen und den rasanten Wertewandel im 21. Jahrhundert ein. Besonderes Augenmerk liegt auf folgende Bereiche:

  • Digitalisierung
  • Klimawandel
  • Interdisziplinäres Denken
  • Vernetztes Agieren
  • Lebenslanges Lernen
  • Umgang mit Stress und Existenzängsten
  • Selbstverwirklichung
  • Soziale Intelligenz

Aktuell findet ein Wertewandel statt, der die oben beschriebenen Unterwerfungen in eine dem Zeitgeist entsprechende Freigeistigkeit transformiert. Dieser Prozess wird nicht konkret beschrieben, sondern drückt sich durch aufständischen und politisch ambitionierten Unmut über das sogenannte Establishment aus.

Wir brauchen demnach eine Bildungsrevolution, die sich dem Zeitgeist stellt und das diktierende Bildungssystem vollständig reformiert und optimiert.

Initiativen und Bewegungen

Wir recherchieren, sammeln und/oder kontaktieren Personen, die sich dem Thema „wertvolle, wertschöpfende Bildung“ (würdevoll, stressfrei, angstfrei, begeistert, neugierig etc.) widmen.
Hier ein Auszug, der regelmäßig überarbeitet und vervollständigt wird:

Name/ProjektBeschreibungKontakt
Dokumentarfilm „ALPHABET“Untertitel: „Angst oder Liebe“. War im Oktober 2013 in Österreich und Deutschland im Kino. Der Film stellt die Frage: „Warum kommen 98% der Kinder hochbegabt zur Welt und nach der Schulzeit bleiben nur 2% davon übrig?“. Sehr sehenswerter und bewegender Film, der zum völligen und längst überfälligen Umdenken einlädt. Der Film ist auch auf DVD und als Stream erhältlich.http://www.alphabet-derfilm.at/

Trailer & Anschauen: https://youtu.be/VizWavEsuig
#wirfürschuleEine Bewegung, um die Schule von Morgen zu gestalten. Eine Community, ein Netzwerk und eine Ideen- und Projektschmiede. Ziele: Vernetzen, Innovationskraft bündeln, Transparenz schaffen.https://wirfuerschule.de/
Disruptive BildungsperspektivenRingvorlesung „Disruptive Bildungsperspektiven – Anleitung zur kreativen Zerstörung des Bildungssystems“ an der Universität Witten/Herdecke.https://disruptive-bildungsperspektiven.de/
Akademie für Lernpädagogik„Jedes Kind hat das Recht auf eine glückliche Schulzeit!“
Jürgen Möller, Pädagogischer Leiter
https://www.akademie-lernpaedagogik.de/
21futur21future ist eine gemeinnützige Initiative, die Kindern und Jugendlichen wichtige Zukunftskompetenzen auf interaktive und ansprechende Weise vermittelt.https://21future.org/
Tausche Bildung für WohnenArmut, Arbeitslosigkeit und das Stigma „Problemviertel“: In Duisburg-Marxloh groß zu werden, ist nicht leicht. Die Initiative „Tausche Bildung für Wohnen“ will das ändern. Wer sich als Bildungspate für die Kinder hier engagiert, darf kostenlos im Viertel wohnen. Fairer Tausch: Die Kinder bekommen nicht nur Nachhilfe, sondern auch Selbstvertrauen. Die Paten lernen, dass Marxloh mehr ist als die Summe seiner Probleme.Zur Seite der Initiative: https://tauschebildung.org/
Zum Video (6:30):
https://youtu.be/7d5fKPZi_04
Teachers for FutureAus „Unser Selbstverständnis“: „Wir sehen die Schule als einen wichtigen Ort gesellschaftlicher Transformation hin zur notwendigen Nachhaltigkeit und kritisch-politische „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ als den entscheidenden Hebel für diese Transformation. […] VERMITTLUNG VON WISSEN UND KOMPETENZ: Hierzu gehören nicht nur entsprechende Inhalte, sondern auch zukunftsweisende Lernformate, innovative methodische Herangehensweisen und ko-kreative Prozesse zwischen Lehrenden und Lernenden.“https://teachersforfuture.org/
Wird fortgesetzt …

Zitate

„Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn man alles, was man gelernt hat, wieder vergessen hat.“

Georg Kerschensteiner (1854-1932); wohlzitiert von Werner Heisenberg (1901-1976)

„Hohe Bildung kann man dadurch beweisen, dass man die kompliziertesten Dinge auf einfache Art zu erläutern versteht.“

George Bernard Shaw (1856-1950)

„Zahlreich sind die Lehrkanzeln, aber selten die weisen und edlen Lehrer. Zahlreich und groß sind die Hörsäle, doch wenig zahlreich die jungen Menschen, die ehrlich nach Wahrheit und Gerechtigkeit dürsten.“

Albert Einstein (1879–1955)

„Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung, keine Bildung.“

John F. Kennedy (1917–1963)

„Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.“

Arthur Schopenhauer (1788–1860)

„Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.“

Groucho Marx (1890–1977)

„Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.“

Dieter Hildebrandt (1927–2013)

„Niemand urteilt schärfer als der Ungebildete, er kennt weder Gründe noch Gegengründe.“

Anselm Feuerbach (1829–1880)

„Der Gebildete treibt die Genauigkeit nicht weiter, als es der Natur der Sache entspricht.“

Aristoteles (384–322 v. Chr.)

„Es gilt als ein Zeichen von Bildung, über die Errungenschaften der Technik orientiert zu sein und über die seelische Not des Nächsten die Achsel zu zucken.“

Zenta Maurina (1897–1978)

„Das Problem ist, dass in der Schule, in der Weiterbildung und ganz generell in unserem Leben versucht wird, Unklarheit zu vermeiden. In der heutigen Medienwelt wird uns alles möglichst eingängig in Häppchen erklärt. Es ist eine sehr bekloppte Idee, dass man Wissen so effizient vermitteln kann – denn Wissen entsteht nur, wenn aus Unklarheit Klarheit wird, wenn wir ein Rätsel lüften. Gute Wissensvermittlung ist darum immer ein bisschen ineffizient.“

Henning Beck (geb. 1983)

Quelle: Interview am 2. Mai 2021, Antwort auf die Fragen: Was bedeutet deine These für das Bildungssystem? https://www.jetzt.de/studium/bildung-neurowissenschaftler-henning-beck-und-sein-buch-das-neue-lernen

„Kein Sechsjähriger wird von sich aus die deutsche Orthografie hinkriegen, das muss man am Anfang tatsächlich sehr stringent lernen. Aber: Wenn Menschen irgendwann an den Punkt kommen sollen, aktiv Probleme lösen zu können – und das ist letztlich die Aufgabe von Bildung – dann muss ich diesen Menschen auch Freiheiten geben, Dinge auszuprobieren.“

Henning Beck (geb. 1983)

Quelle: Interview am 2. Mai 2021, Antwort auf die Fragen: Gilt dieses „Verstehen durch Ausprobieren“ wirklich immer? Braucht es manchmal nicht einfach den guten, alten Frontalunterricht? https://www.jetzt.de/studium/bildung-neurowissenschaftler-henning-beck-und-sein-buch-das-neue-lernen

„Das Kind formt von sich aus den zukünftigen Menschen, indem es seine Umwelt absorbiert.“

Maria Montessori (1870–1952)

„Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entzündet werden will.“

Francois Rabelais (ca. 1483–1553)

Verweise

Hinweis: Dieser Artikel „Bildung“ ist im Kapitel „Kontextuelle Begriffe“ im „Das große Buch der Werte“ ab der 3. Auflage ebenso veröffentlicht, allerdings ohne den obigen Abschnitt „Initiativen und Bewegungen“, welchen wir an anderer Stelle veröffentlichen und regelmäßig Pflegen.


Letzte Bearbeitung am 13.04.2024

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