Was ist Wertearbeit?

Erkennen, Ermitteln und symmetrisches* Aufstellen von Werten sowie das Aktivieren und zum Leben Erwecken von gewünschten und sinnstiftenden Wertvorstellungen.

* siehe die Definition von „symmetrisch“ nebst Abgrenzung zu „systemisch“ in der Werte-Enzyklopädie auf Werteland.com➚

Hinweis: Im VA-Bereich WERTEARBEIT haben wir alle öffentlich verfügbaren Werkzeuge und Online-Tools aufgeführt und beschrieben.


Definition und Beschreibung

Sobald sich eine Person oder eine Gruppe mit ihren eigenen Werten beschäftigt, mit dem Ziel, die individuell gültigen und wichtigen Begriffe für die eigenen Wertvorstellungen zu ermitteln, kann man von Wertearbeit sprechen. Wobei der Begriff Arbeit nur bedingt zutrifft, denn es ist bestenfalls auch eine spielerische Komponente enthalten. Dieser spielerische Aspekt kann durch lockere Offenheit, Neugier (Interesse) und dem Mut zur kritischen Selbstreflexion sowie dem Hinterfragen der eigenen Motive entstehen.

Das „Entdecken“ der wahrhaftigen Werte (Orientierung) einer Person (oder auch Gruppe) sorgt oft dafür, dass man sich anschließend neu ausrichten wird. Entweder durch Konsolidierung (Reduktion aus Maximum) oder gravierenden Veränderungen der eigenen Haltung oder gar einer Neuaufstellung des Umfeldes (Ort/Räumlichkeit, Menschen, Freunde, Partner, Job, Branche etc.).


Ziele von Wertearbeit

Die wesentlichen und übergeordneten Ziele der Wertearbeit sind:

Ein substanzieller Aspekt der Wertearbeit ist, Gewohnheiten durch „Gewünschtheiten“ auszutauschen.


Echte Wertearbeit muss gewollt werden

Der Wunsch und der Wille, aktiv Wertearbeit zu betreiben, sei es persönlich oder in einer Organisation, sind zwar oft vorhanden, jedoch gibt es den weit verbreiteten Irrtum, dass man das mal eben schnell und nebenbei machen kann. Für Einzelpersonen gibt es zwar ein effizientes und schnell wirksames Tool, jedoch sollten sich Unternehmen auf eine längere Reise mit Muße zum Thema einstellen.

Indem Sie eine Umgebung schaffen, welche die Werte achtet und fördert, und somit die Menschen in den Prozess frühzeitig einbeziehen, können Sie Lust und Willen zur Arbeit an und mit Werten herstellen bzw. verstärken. Es ist ein fortlaufender Prozess, der Aufmerksamkeit, Pflege und Engagement erfordert, um damit erfolgreich zu sein.

Wenn Werte nur oberflächlich genannt und plakatiert werden (wie es oft in plattitüdenhaften Leitbildern geschieht), kann dies gegenteilige Wirkung haben. Kernaussagen von Mitarbeitern sind dann beispielsweise: „Die da Oben sollten sich erst mal selbst daran halten“ oder „Ich finde es nicht gut, dass uns Werte von Oben vorgegeben werden“

Anmerkung: Es ist sehr wichtig, dass zunächst eine klar formulierte und wirksam kommunizierte Vision existiert, bevor Wertearbeit stattfindet. Werte beschreiben die Mission (ehrenvoller Auftrag) und die Mission (das Wie) erwächst aus der Vision (das Warum).


Die mentalen Stufen beim Aufbau von Wertearbeit

  1. Interesse an Werten (Neugier)
  2. Werte-Wissen (fragmentiert und multidimensional)
  3. Werte-Logik (strukturiertes Wissen)
  4. Werte-Bewusstsein (Erkenntnis und Strategie)
  5. Methoden für Wertearbeit (Adaption, Entwicklung und Etablierung)
  6. Tools für Wertearbeit (entdecken, lernen und ritualisieren)
  7. Prozesse für Wertearbeit (Implementierung, Projekte)
  8. Qualitätssicherung (Authentisierung und Synchronisierung von Erwartungen und Ziele)
  9. Feiern (Festigung, Vorbildfunktion, Selbstbewusstsein)
  10. Moral und Ethik pragmatisch verknüpfen (sozial-konstruktivistische Mentalität)
  11. Präferierte Werte in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft konstruktiv (niemals destruktiv, polarisierend) diskutieren
  12. Gestalten, Begleiten von Wertewandel – im Sinne von (konstruktivistisch) Krise = Höhepunkt, Wendepunkt

Gründe von Wertearbeit

Aktive Wertearbeit ist ein Konzept, das sich auf die bewusste Pflege, Förderung und Umsetzung von Werten in einer Organisation, einem Team oder einer Gemeinschaft bezieht. Dies ist oft ein zentraler Aspekt der Organisationskultur und kann aus mehreren Beweggründen als wichtig erachtet werden.
Wie im Artikel „Warum Werte wichtig sind“ aufgelistet, gibt es viele Gründe, warum sich einzelne Menschen, Teams, Organisationen und Nationen mit Werten beschäftigen. Hier konzentrieren wir uns konkret auf auslösende Situationen (Bedarfsfälle), bei denen Werte bewusst oder unbewusst fast automatisch ins Spiel kommen.

Orientierung für Einzelpersonen

Werte spielen eine entscheidende Rolle bei der Orientierung im Leben. Sie dienen als grundlegende Überzeugungen oder Prinzipien, die die Art und Weise beeinflussen, wie Menschen die Welt interpretieren, Entscheidungen treffen und handeln. Sie fungieren richtungsweisend als Kompass, der Menschen hilft, ihren Weg in verschiedenen Lebensbereichen zu finden. Sie bieten Orientierung, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen, die im Einklang mit dem stehen, was einem am wichtigsten ist. Werte helfen dabei, zu erkennen, was im Leben wirklich wichtig ist, und ermöglichen es, Zeit und Ressourcen entsprechend einzuteilen. Dies fördert eine konsequente Ausrichtung auf das, was einem am meisten bedeutet.

Die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten fördert das Selbstbewusstsein und das Verständnis für die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele. Dies trägt dazu bei, ein authentischeres und erfüllteres Leben zu führen.

In komplexen oder widersprüchlichen Situationen können Werte als Leitlinien dienen, um eine Lösung zu finden, die im Einklang mit den eigenen Überzeugungen steht. In schwierigen Zeiten können Werte eine Quelle der Stärke und Stabilität sein. Sie bieten einen festen Halt und eine Kontinuität, die hilft, Widrigkeiten zu überstehen.

Die Kenntnis der Werte anderer kann zu tieferen und bedeutungsvolleren Beziehungen führen, da sie Verständnis und Empathie fördert.

Gut aufgestellte persönliche Werte (beispielsweise mit dem KOHEBA-Wertemodell) können als Treiber dienen, um bestimmte Ziele zu verfolgen und dabei Herausforderungen zu überwinden. Sie stiften eine tiefere Bedeutung und einen Zweck (Purpose), der über den augenblicklichen Kontext hinausgeht.

Gemeinsame Ausrichtung und Vertrauensbildung

Durch die Klärung und Förderung gemeinsamer Werte kann ein Team oder eine Organisation eine einheitliche Ausrichtung und ein gemeinsames Verständnis für ihre Ziele und den Weg dorthin finden. Dabei schaffen gelebte Werte Vertrauen sowohl innerhalb des Teams als auch gegenüber Kunden und anderen Stakeholdern. Sie geben Einblicke in das, was von der Organisation oder dem Team erwartet werden kann (siehe Artikel „Leitbild“).

Motivation und Engagement

Durch das Verständnis und die Identifikation mit den Werten können sich Mitarbeiter stärker engagieren und motivieren, da sie sehen, wie ihre Arbeit in Einklang mit ihren persönlichen Überzeugungen steht.

Konfliktlösung

Bei Meinungsverschiedenheiten oder Konflikten können gemeinsame Werte als Grundlage für die Verhandlung und Lösung von Problemen dienen.

Reputation und Markenimage

Aktive Wertearbeit kann die Reputation einer Organisation stärken und zu einem positiven Markenimage beitragen, indem sie zeigt, dass das Unternehmen ethisch, verantwortungsbewusst und im Einklang mit den Erwartungen der Gesellschaft handelt.

Nachhaltige Entwicklung

Durch die Berücksichtigung von Werten wie Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung kann eine Organisation dazu beitragen, langfristige positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft und die Umwelt zu erzielen (vgl. Artikel „Was ist ESG“).

Compliance und ethisches Handeln

Werte können als Richtlinien für rechtliche und ethische Standards dienen, wodurch das Risiko von Verstößen gegen Gesetze und Vorschriften reduziert wird.


Wie läuft Werte-Arbeit ab?

Wertearbeit kann von einer Person mit sich selbst oder bestenfalls gemeinsam mit einem ausgebildeten Werte-Coach durchgeführt werden. Für Gruppen und Organisationen ist die Form eines oder bestenfalls mehrere aufeinander aufbauenden Workshops geeignet.

Zunächst sollte man sich intensiv mit der jeweiligen Definition der Begriffe Motive, Werte, Wertesysteme, Führung, Selbststeuerungskompetenz und Haltung auseinandersetzen. Anschließend dann mit den wichtigsten Werte-Begriffen: dessen Definition(en), Bedeutung(en), Wortherkunft (Etymologie) und Implikationen. Allein dadurch entsteht ein bestimmtes Maß an Bewusstsein für den Themenkomplex „menschliche Wertvorstellungen“, was in Folge konkreter und klarer beleuchtet werden kann.
Einfach Werte zu bestimmen, ohne die genauen Bedeutungen zu kennen, ist fast immer kontraproduktiv.

Der Besuch eines Seminars oder die Nutzung unseres Arbeitsbuches (beides: siehe unten) zum Thema Werte (als Vorbereitung bzw. Begleitung der eigenen konkreten Wertearbeit) ist sinnvoll.

Bei Gruppen, Teams, Abteilungen oder Unternehmen sollte zunächst ebenso verfahren werden. Anschließend kann man in Workshops mittels verschiedener Techniken und Methoden die gemeinsamen Werte bzw. „Werteschnittstellen“ ermitteln und systemisch sowie symmetrisch aufstellen.

Diese Methoden hier aufzuzeigen, würde den Rahmen dieser Publikation sprengen. Wir werden sie in einem separaten Buch mit dem Titel „Lasst uns über Werte reden! Wie Wandel gelingen kann“ ausführlich beschreiben, dessen Herausgabe für 2024 geplant ist.

Unternehmen sind gut beraten, einen für die Wertearbeit ausgebildeten „Wertemanager“ oder Werte-Coach zu positionieren und etablieren.

Daneben gibt es die Möglichkeit unsere neuen Online-Tools zur Ermittlung von Werten zu nutzen:


Ergebnisse guter Wertearbeit

Das primäre Ergebnis von effektiver Wertearbeit ist das Kennen sowie Ausleben (Erleben) des persönlichen Wertesystems; für ein Individuum oder einer Gruppe.

Innerhalb von Organisation bzw. Unternehmen ist diese Arbeit an und mit Werten eine wichtige Grundlage zur Erschaffung einer gewünschten Unternehmenskultur. Darüber hinaus kann nachgeschaltete und regelmäßige Wertearbeit in der täglichen Praxis für das nachhaltige Etablieren dieser Werte (= zum Leben bzw. Erleben erwecken) sorgen.


Werte-Coaching

Ein Coaching hilft dabei, die eigene (oft unbewusste) Motiv-Struktur zu beleuchten. Dies ist sinnvoll, da Motive entscheidende Auslöser für persönliche Wertvorstellungen sind.

Insbesondere für Personen, die sich in einer Phase der Neuorientierung bzw. des Umbruchs befinden, ist ein Werte-Coaching nicht nur sinnvoll sondern oft richtungsweisend.

Infos über die Formen und Angebote von Wertecoaching findest Du hier >>


Weitere Verweise

Arbeitsbuch für das Ermitteln von persönlichen Werten

Für jeden, der sich konkret im Leben oder im Job optimal orientieren will: „MEIN WERTE BUCH„.

Wir haben eine umfangreiches Arbeitsbuch entwickelt, das bei der persönlichen Wertearbeit unterstützen soll. Mit gezielten Fragen und Antworten für jeden Wert. Die anfangs ermittelten Werte, werden zusammengefasst sowie gewichtet. Somit erhält man sein persönliches Wertesystem. Enthalten ist ein bedrucktes Lesezeichen zur besseren Orientierung im Buch. Weiterhin gibt es exklusiv für Besitzer des Buches einen Downloadbereich von Formularen und Checklisten. 

Zum Buch >>

Seminare und Workshops über Werte

Für Gruppen und Organisationen ist die Form eines Workshops geeignet. Diesen Workshop haben wir in unserem Mitgliederbereich auf Werteland.com ausführlich beschrieben (mit Agenda, Teilnehmer-Briefing, Inhaltsbeschreibung, Ablauf, Ausgestaltung, Checklisten, Zielstellungen, nachgeschaltete Qualitätssicherung, etc.).

Unser eigener Werte-Workshop wird auf Werteland.com beschrieben: https://werteland.com/ausbildung/werte-workshop


Hinweis: Im Bereich WERTEARBEIT haben wir alle Werkzeuge und Online-Tools übersichtlich aufgeführt und beschrieben.

Letzte Bearbeitung am 30.07.2023

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