Wertewandel

Umgang mit Wandel 

„Nur Persönlichkeiten bewegen die Welt, niemals Prinzipien.“

Oscar Wilde (1854–1900)

Bevor wir uns mit dem neuzeitlich oft benannten und teils heraufbeschworenen Wertewandel beschäftigen, ist es wichtig, sich mit der Logik und Dynamik von Wandel vertraut zu machen.


Wortherkunft

Etymologisch ist das zugrundeliegende Verb „wandeln“ mit „wenden, winden und wandern“ verwandt und bedeutet „ändern, langsam gehen, hin und her gehen“. Das Substantiv Wandel stammt aus althochdeutsch „wantal“ = „Verkehr, Umgang“ und wurde vom 9. bis 20. Jahrhundert als „Veränderung, Verkehr, Lebensführung“ definiert. Wobei das mittelhochdeutsche Wort „wandel“ zusätzliche, aus dem Verb rückgebildete Bedeutungen besaß: „Rückgang, Änderung, Tausch, Wandelbarkeit, Makel, Fehler, Tadel, Ersatz, Buße, Gang“. Im 17. Jahrhundert kam noch die Bedeutung „kaufmännischer Handel“ hinzu. 
Der heute in unserem Sinne wohl bessere Begriff, welcher bereits im 8. Jahrhundert genutzt wurde, wäre wohl „verwandeln“, aus althochdeutsch „firwantalōn“ = „verändern“. 


Beschreibung

Es kann sehr vieles als Wandel bezeichnet werden, da dieser Begriff vielschichtig hergeleitet und definiert werden kann. Auch eine Mutation, eine Turbulenz, eine Kündigung, der Tod, eine Erkenntnis, ein Tausch, ein Unfall, eine Fusion, eine Abweichung von der Norm oder auch das bloße Wachstum (eines Organismus, einer Organisation) sind Wandel. 


Wandel und Haltung

Wichtig ist, dass bei einem unvorhergesehenen, automatischem oder selbst eingeleiteten Wandel eine konstruktive Haltung existiert – vorbildlich bei den Verantwortlichen und in Folge bei den Betroffenen. 

Hier ein metaphorisches Beispiel, wie Geisteshaltung den Ausgang eines unfreiwilligen Wandels ändern kann.

Stelle Dir folgende Szene vor: Du stehst entspannt am Strand. In der Nähe ist eine Surfschule, von der aus eine entspannte und fröhliche Musik zu hören ist. Es ist Nebensaison, keine Menschenseele weit und breit. Nur der Besitzer der Surfschule – sie heißt „Well Done!“ – liegt auf einer offensichtlich gemütlichen Liege und döst vor sich hin. Das vor Dir liegende Meer rauscht leise zur Musik. Eine tolle Atmosphäre. Es geht Dir gut. Du denkst genüsslich: „Ein wirklich schöner Ort, hier könnte ich für immer bleiben oder zumindest noch öfter herkommen“.

Plötzlich siehst Du in weiter Ferne eine ungewöhnlich große Welle auf das Festland zurollen. Du weißt, sie bleibt nicht stehen – sie wird in kurzer Zeit hier sein. Und Du weißt auch, dass Du reagieren musst.

Sogleich gehst Du einige Möglichkeiten (Optionen) durch, wie Du die Situation überstehen kannst. Die übergeordneten Varianten sind: Weglaufen, sich irgendwie retten oder die Situation meistern: Vielleicht schnappe ich mir ein Surfboard und warte auf den richtigen Moment, diese Welle einfach zu reiten?!

Ergo: Man kann in solchen Situationen auf zwei grundlegend unterschiedliche Weisen reagieren:

  1. Flucht (Angst, Problem, Schuldzuweisen, Panik, Abhauen, …)
  2. Begegnung (Mut, Lösung, VerantwortungKontrolle, Konfrontieren, …)

Eine mögliche dritte Variante wäre „nichts tun“ (Urvertrauen, ignorieren, hingeben, akzeptieren, …), welche ich an dieser Stelle nicht weiter beschreibe.

Motto und Botschaft dieser Geschichte: Die richtige Haltung kann für eine optimale „Gestaltung“ sorgen. Diese richtige Haltung ist bestückt mit bestimmten Werten, die in unserem Bildungssystem leider nicht (ich betone: in keiner Weise) berücksichtigt sind.

Gerne können wir das o. a. Szenario „Welle“ auf das seit März 2020 existierende Thema (oder Drama) „Corona-Pandemie“ übertragen.

Die wichtige Frage ist: Sind wir der Wandel? Oder weiter: In welcher Form sind wir betroffen? Sind wir dabei selbstbestimmt oder werden wir gewandelt (verwandelt).

Fragen wir Bürger, Steuerzahler oder Mitarbeiter, so hören wir oft, dass man ja nichts tun kann, weil „die da oben“ die Entscheidungen treffen.
Genau hier liegt die Chance von „Führung“. Gerne empfehle ich: „Kommunizieren Sie proaktiv, rechtzeitig sowie klar und deutlich. Ohne zu jammern. Und verzichten Sie auf alles, was Angst und Panik erzeugen könnte.“

Führen heißt, die Fähigkeit zu besitzen, Kontrolle zu haben und gleichzeitig (in gleichem Maße) Vertrauen zu erzeugen. Das aktiviert einer der wichtigsten Werte im Wandel: „Verlässlichkeit“.

Anmerkung: Siehe hier die Definitionen dieser beiden antonymen Werte: „Kontrolle“ und „Vertrauen“ im „DgBdW“.

So gilt es in folgender Reihenfolge vorzugehen:

  1. den Wandel erkennen
  2. seine Ursachen „besichtigen“
  3. unabdingbares identifizieren
  4. Optionen für selbstbestimmte Veränderungen ermitteln
  5. Ressourcen identifizieren und bestimmen
  6. entscheiden und handeln
  7. erfolgreich sein (Ergebnis und/oder Lektionen)

Im folgenden Abschnitt widmen wir uns nun konkret dem „Wertewandel“.


Umgang mit Wertewandel 

Oder: der „wertesystemische Klimawandel“

„Eine Veränderung tritt erst auf, wenn ein Wertewandel und die wirtschaftliche Notwendigkeit zusammentreffen.“
(John Naisbitt (geb. 1929); Politikwissenschaftler und Zukunftsforscher


Einleitung

Im „Das große Buch der Werte 2019“ (S. 296) haben wir den Begriff Wertewandel ausführlich definiert und behandelt. Auch sind dort wichtige Wertewandel im Laufe der gesamten Geschichte der Menschheit aufgeführt – bis in die heutige Zeit. Das Phänomen COVID-19 wird natürlich in der nächsten Auflage des o. a. Buches hinzugefügt und wertesystemisch bedingt dort auch an anderen Stellen behandelt.

Hinweis: Auf Wertesysteme.de ist der komplette Artikel in der aktuellen Fassung zu finden: https://www.wertesysteme.de/werte-glossar/wertewandel/

Hier fassen wir kurz zusammen und konzentrieren uns auf das Thema dieses Buches (Anm.: LuüWr!).

Zunächst eine steile These: Vor nichts hat der Mensch mehr Angst als vor Veränderung.

Und weiter:
Wandel findet statt, wenn sich die Umstände bzw. die Umgebung verändert. Es findet ein selbstbestimmter Wandel statt, wenn sich Motive ändern. Gesellschaftlicher Wandel findet dann statt, wenn sich die Motivstrukturen der Entscheider (Machthaber) ändern – oder aber der sogenannten Proletarier, die sich gegen das Establishment aufbäumen.


Ursachen finden

Vor allem bei öffentlich wichtigen Themen werden die Symptome systematisch thematisiert und oft auch dramatisiert. Leider werden selten die Ursachen beleuchtet. 
So wurden im August 2019 die Brände im Amazonasgebiet in Brasilien kräftig diskutiert. Vor allem aus Sicht von Umweltschützern. Eine Ursachenforschung bringt folgenden Zusammenhang zum Vorschein:
Donald Trump verhängte höhere Zölle für importierte Waren aus China, welche in Folge teurer wurden – so auch Soja. Da der bis dato auch aus Brasilien importiert Soja nun billiger wurde, mussten, aufgrund der gestiegenen Nachfrage, viele Wälder den neuen Plantagen weichen.

Anmerkung: Somit findet auch hier die Chaostheorie Anwendung, die u. a. besagt, dass eine kleine Änderung im System (Ursache) eine große Wirkung haben kann. Wir sehen im Anschluss zwar deutlich die Auswirkung, aber die eigentliche Ursache und insbesondere den Zusammenhang nicht.

Bei genauer Beobachtung mit wertesystemischer Brille können wir erkennen, dass sich Wertvorstellungen – und die daraus resultierende Handlungen – ändern, wenn sich Motive ändern. Motive bestimmen die Ursache – die Ursache bestimmt die Wirkung, die Wirkung das Symptom, das Symptom das Thema. Das kann in dieser systemischen Abfolge auf viele Lebensbereiche übertragen werden.


Große Krisen

In allen Zeiten der Menschheit gab es immer wieder sogenannte Krisen. Einige davon waren große Krisen. Im Nachgang jeder Krise stellte sich immer heraus, dass Krisen für einen evolutionären Wandel wichtig waren. Ohne Krise hätte Wandel nicht stattgefunden.
Das macht besonderen Sinn, wenn man die etymologische Definition des Wortes Krise näher anschaut.
Auch können wir festhalten, dass die Prinzipien „Lernen durch Schmerz“ und „Wachstum findet durch Überwinden von Grenzen statt“ seit Menschengedenken funktioniert.
Ich behaupte an dieser Stelle freizügig, dass die Menschheit möglicherweise schon sehr bald auf einem Bewusstseinslevel angekommen ist, dass Krisen nicht mehr nur bejammert, sondern neugierig als Chance für Wachstum und Wohlstand begriffen werden.

Corona-Krise

Viele Organisationen durchlaufen derzeit einen intensiven und höchst disruptiven Wandel – ohne sich darauf vorbereiten zu können. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Coronavirus-Krise legt und die Wirtschaft wieder in einen regulären Geschäftsbetrieb zurückfindet. Wir werden mit Entlassungswellen zu rechnen haben, wenn Soforthilfen aufgebraucht sind, Kurzarbeit ausläuft und KfW-Kredite die Verbindlichkeiten massiv erhöht haben. Weder Unternehmenslenker noch die Belegschaft können auf vergangene Erfahrungen oder Studien zurückgreifen.
Auch große und mittlere Unternehmen werden sich fundamental neu erfinden wollen oder gar müssen.

Bewährte Strategien und Verfahren zum Umgang mit einer Krise solchen Ausmaßes stehen nicht zur Verfügung. Bemerkenswert viele Unternehmer und Unternehmen zeigen in der Krise aktuell eine besondere Bereitschaft, Solidarität zu demonstrieren und flexibel umzudenken. Für den Neustart werden Manager Anleitung und Führungbrauchen. Der bevorstehende Wandel konfrontiert Unternehmer mit einer ungeahnten Vielfalt und einer beispiellosen Größenordnung an Herausforderungen:

  • Es gibt keine Best Practices, keine Bücher, keine Forschung, keine Erfahrungen, auf die man sich beziehen könnte. Die Situationen in den betroffenen Unternehmen mögen in vielen Fällen ähnlich sein, unterscheiden sich aber je nach Branche und Unternehmensgröße.
  • Unternehmen weltweit passen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten an die aktuellen Bedürfnisse der Gesellschaft an, auch für die Möglichkeiten zukünftiger ähnlicher Umstände, und stellen ihre Prozessstrukturen teils radikal um:
  • Autohersteller produzieren Beatmungsgeräte anstelle von Autos
  • Bekleidungsfirmen nähen Gesichtsmasken
  • Whiskey-Destillen stellen Desinfektionsmittel her
  • Bildungseinrichtungen stellen auf digitale Angebote um
  • Wir beobachten, dass Regierungen große Summen an Geldern für alle Arten von Empfängern bereitstellen, die wirtschaftlich ums Überleben kämpfen. Doch auch das wird nachhaltig neue Herausforderungen zutage treten lassen, wie Steuererhöhungen und ein massiv veränderter Arbeitsmarkt.

Bei der Coronavirus-Krise in der Wirtschaft dreht sich alles um den Wandel. Sobald die Beschränkungen aufgehoben werden und die Unternehmen wieder öffnen können, wird es für viele nicht mehr nur darum gehen, wieder dorthin zurückzukehren, wo sie vor der Krise waren. Viele werden mit Entlassungen (oder weniger Wiedereinstellungen) konfrontiert sein, ihr Angebot bereinigen, auf weitere Investitionen in die Digitalisierung drängen, ihre Organisationstabilisieren, während sie gleichzeitig mit einer erheblichen Verschuldung belastet sind.

All das, klingt jetzt vielleicht dramatisch, aber wir können es als Weckruf verstehen, die existierenden unflexiblen und nicht agilen gesellschaftspolitischen Systeme neu zu modellieren. Auch das politische System, das keine echte Demokratie im Sinne ihrer Erfinder darstellt, sollte mehr demokratisch werden. Im Sinne von Mitbestimmung, was im Einklang mit echter Bildung eine neue Ära von Würde und Gleichheit einleiten könnte.

Nächste Krise(n)

Ich glaube, dass der strukturelle und psychologische Hype um die sogenannte Corona-Krise (im Sinne von Pandemie) eine gute Übung für die Menschheit sein kann, damit sie bevorstehende Veränderungen meisten zu kann.


xxx in Arbeit (die restlichen Inhalte dieses thematisch wichtigen Artikels werden noch aus dem Buch LuüWr! entnommen und hier eingefügt. 

Siehe auch die ausführliche historische Betrachtung und ausführliche allgemeine Beschreibung des Begriffs Wertewandel unter: https://www.wertesysteme.de/werte-glossar/wertewandel/


Letzte Bearbeitung am 18.05.2021

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