Wertschätzung

Wortformen: wertschätzen, wertgeschätzt, (ugs.) gewertschätzt

Hinweis: Dieser Begriff ist kein Wert, sondern ein begriffliches Wertesystem, dem wir konkrete Werte zugeordnet haben:

Beispielhaft zugeordnete Werte

Anerkennung, Aufmerksamkeit, Dankbarkeit, Empathie, Freundlichkeit, Großzügigkeit, Herzlichkeit, Höflichkeit, Interesse, Mitgefühl, Respekt, Sympathie, Teilen, Toleranz, Treue, Vertrauen, Zuneigung


Synonyme

Anerkennung, Hochachtung, Würdigung, Achtung, Beachtung, Auszeichnung, Ehrung

Abgeschwächt: Zuneigung, Bestätigung, Interesse, Respekt, Lob

Antonyme: Geringschätzung, Missachtung, Verachtung, Herabwürdigung, Abwertung

Abgeschwächte Antonyme: Gleichgültigkeit, Desinteresse, Ignoranz, Nichtbeachtung

Englisch: mattering (Bedeutung haben), appreciation (Würdigung), high regard (hohe Achtung, etwas schätzen), esteem (Hochachtung)


Wortherkunft

Das Substantiv Wertschätzung ist ein Determinativkompositum aus Wert und Schätzung (zum Verb schätzen).

Wert geht zurück auf althochdeutsch „werd“ (8. Jh.) und mittelhochdeutsch „wert“ mit Bedeutungen wie „Kaufpreis, Wert, Ware, Geltung, Ansehen, Würdigkeit“ – einer Substantivierung des Adjektivs „wert“ (germanisch werþa-). Als Ausgangsbedeutung wird „als Äquivalent gegenüberstehend“ angenommen. Bemerkenswert: Bereits das mittelhochdeutsche Verb „werden“ bedeutete „(wert)schätzen, für wert halten, würdigen“.

Schätzen leitet sich von Schatz ab – althochdeutsch „scaz“ = „Münze, Geld, Reichtum“ (8. Jh.), mittelhochdeutsch „scha(t)z“ = „Geld und Gut, Reichtum, Tribut, Steuer, Wert, Preis“. Das mittelhochdeutsche Verb „schetzen“ meinte zunächst „Geld abnehmen, besteuern, nach Wert oder Zahl veranschlagen“ und wurde erst übertragen zu „achten, verehren“. Entsprechend bezeichnete „schatzunge / schetzunge“ anfangs die „Besteuerung, Taxierung“, später auch „Verehrung, Achtung“.[1]

Im Wort Wertschätzung sind damit von Beginn an zwei Bedeutungsstränge vereint: das nüchterne Taxieren eines (messbaren) Wertes und das Achten und Verehren einer Sache oder Person. Dass „Schatz“ im 15. Jahrhundert zugleich zur Bezeichnung für „das Liebste, den liebsten Menschen“ wurde, zeigt diese Doppelnatur besonders deutlich.

[1] Quelle: „wert“ und „schätzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (Etymologisches Wörterbuch nach Wolfgang Pfeifer), https://www.dwds.de/wb/wert bzw. https://www.dwds.de/wb/schätzen, abgerufen und vereinfacht am 23.05.2026.


Definition

Die innere Haltung und ihr Ausdruck, den Wert einer Person wahrzunehmen und anzuerkennen.

Wertesystemisch: Das Schätzen – das bewusste Wahrnehmen und Anerkennen achtenswerter (auch merk-würdiger) Eigenschaften (Werte) – einer Sache (Objekt) oder einer Person bzw. Gruppe (Subjekt).


Beschreibung

Von Wertschätzung sprechen wir im Allgemeinen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit bewusst auf die als wertvoll empfundenen Eigenschaften eines Menschen, einer Sache oder einer Leistung richten – und dies durch Interesse, Respekt, Zuneigung und/oder wohlwollendes Feedback (Anerkennung) erkennbar werden lassen.

Schon das Wort selbst beschreibt diesen Vorgang: Wer wertschätzt, nimmt einen Wert wahr – er „merkt” ihn – und erkennt ihn an – er „würdigt” ihn. Dass „würdigen” und „Würde” sprachlich mit „Wert” verwandt sind, ist dabei kein Zufall. Wertschätzung ist somit immer beides: innere Wahrnehmung und ihr sichtbarer Ausdruck.

In den zunehmend geführten „Wertediskussionen” erscheint der Begriff besonders oft – meist als Aufforderung, eine vielfach empfundene Geringschätzung durch mehr wohlwollende und motivierende Anerkennung zu ersetzen.

Wichtige begriffliche Einordnung

Wertschätzung wird häufig fälschlich als ein einzelner Wert bezeichnet. Tatsächlich ist sie ein Wertesystem, das mit ganz unterschiedlichen Werten „bestückt” sein kann – etwa Aufmerksamkeit, Respekt, Dankbarkeit, Empathie oder Anerkennung (siehe „Beispielhaft zugeordnete Werte”).


Selbst- und Fremdwertschätzung

Wertschätzung richtet sich nicht nur nach außen. Üblicherweise unterscheidet man zwei Richtungen:

  • Fremdwertschätzung – das Wahrnehmen und Anerkennen des Wertes anderer Menschen, ihrer Eigenschaften und Leistungen.
  • Selbstwertschätzung – die wertschätzende Haltung sich selbst gegenüber, also das Anerkennen der eigenen Person, der eigenen Fähigkeiten und auch der eigenen Grenzen.

Beide bedingen einander: Wer den eigenen Wert nicht wahrnimmt, tut sich oft schwer, andere aufrichtig wertzuschätzen – und umgekehrt. Selbstwertschätzung gilt daher als Grundlage für ein gesundes Selbstwertgefühl und für tragfähige Beziehungen.


Ausdrucksformen der Wertschätzung

Wertschätzung kann sich auf ganz unterschiedliche Weise zeigen – meist in einer Mischung aus mehreren Formen:

Eine besonders tiefe Form der Wertschätzung liegt im aufrichtigen Interesse an dem, was dem anderen wichtig ist – an seinen Werten. Wer die Werte seines Gegenübers kennt und ernst nimmt, zeigt Wertschätzung auf einer grundlegenden Ebene: Er nimmt den Menschen in seinem Wesen wahr, nicht nur in seinem Verhalten.

Entscheidend ist dabei weniger die Form als die Haltung dahinter: Erst wenn das Gegenüber die Zuwendung als echt empfindet, entfaltet Wertschätzung ihre verbindende Wirkung.


Der Zweck von Wertschätzung

Wertschätzung kann ganz unterschiedlich motiviert sein. Je nach Beweggrund erfüllt sie einen etwas anderen Zweck:

So unterschiedlich die Beweggründe sind: Wertschätzung löst in nahezu allen Fällen eine positive Resonanz aus – beim Wertschätzenden ebenso wie beim Wertgeschätzten. Genau darin liegt ihr eigentlicher Zweck: Sie stiftet Verbindung und bestätigt den Wert des Gegenübers.


Wertschätzung als menschliches Grundbedürfnis

Das Bedürfnis, wahrgenommen und anerkannt zu werden, gilt als grundlegend für den Menschen. In Abraham Maslows bekannter Bedürfnishierarchie bildet die Wertschätzung – die Achtung durch andere ebenso wie die Selbstachtung – eine eigene Stufe. In der neueren Psychologie beschreibt das Konzept des „Mattering” denselben Kern: das Gefühl, für andere von Bedeutung zu sein. Fehlt diese Rückmeldung dauerhaft, drohen Rückzug und sinkendes Selbstwertgefühl – ein Zusammenhang, der die gesellschaftliche wie betriebliche Bedeutung von Wertschätzung erklärt.

Was ist Mattering?

Sehr eng mit Wertschätzung verbunden ist das psychologische Konzept des „Mattering” (englisch für „von Bedeutung sein”). Es bezeichnet das subjektive Gefühl, für andere wichtig zu sein und in der Welt etwas zu bedeuten. Eingeführt wurde der Begriff 1981 vom US-amerikanischen Soziologen Morris Rosenberg gemeinsam mit B. Claire McCullough.
Mattering speist sich aus mehreren Empfindungen: dass andere uns beachten, dass ihnen unser Wohlergehen wichtig ist, dass andere uns vermissen – und dass sich andere auf uns verlassen.
Das Konzept überschneidet sich mit Selbstwert, sozialer Unterstützung und Zugehörigkeit, ist aber eigenständig.

Die neuere Positive Psychologie (etwa Gordon Flett) sieht in der erlebten Bedeutsamkeit einen zentralen Schutzfaktor für die seelische Gesundheit – und, ermutigend, eine Größe, die sich gezielt fördern lässt.

Damit beschreibt „Mattering” sehr genau, was Wertschätzung beim Gegenüber auslöst: das Gefühl, gesehen zu werden und zu zählen.

Vgl. Morris Rosenberg, B. Claire McCullough: „Mattering: Inferred Significance and Mental Health”. In: Research in Community and Mental Health, Bd. 2 (1981), S. 163–182. Vgl. auch Gordon L. Flett: „The Psychology of Mattering” (2018)


Wertschätzung innerhalb von Organisationen

Eine vernunftbegabte kulturelle Lebensgemeinschaft – etwa ein Unternehmen – strebt nach einem „Teamgeist”, der es jedem Mitglied ermöglicht, sich frei zu entfalten.

Wertschätzung in Organisationen heißt vor allem: Aufmerksamkeit und Interesse zeigen sowie Respekt und wohlwollendes Feedback geben. Diese Geisteshaltung – zuerst und besonders aufseiten der Unternehmensführung – ist die Basis für eine gute und fruchtbare Unternehmenskultur.

Dass es beim Wertschätzen in der Arbeitswelt vielerorts ein Umdenken braucht, belegen die jährlichen Erhebungen des Gallup Engagement Index. Im Index 2025 waren nur 10 % der Beschäftigten in Deutschland emotional hoch an ihren Arbeitgeber gebunden, während 77 % „Dienst nach Vorschrift” machten und 13 % innerlich gekündigt hatten. Als entscheidenden Hebel benennt Gallup die Qualität der Führung: Gute Führungskräfte nähmen demnach den ganzen Menschen hinter der Arbeitskraft wahr, schätzten dessen Leistung wert und gäben regelmäßig konstruktive Rückmeldung. Die volkswirtschaftlichen Produktivitätseinbußen durch fehlende Bindung bezifferte Gallup für 2025 auf 119 bis 142 Milliarden Euro.[2]
Ähnliche Tendenzen zeigen Auswertungen im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM).[3]

Hinweis: Ein praktisches Instrument, um genau hier anzusetzen, ist die Werteanalyse EIVA: Sie macht die gelebten Werte einer gesamten Belegschaft sichtbar und rückt damit das ehrliche Interesse an den Werten der Mitarbeitenden – eine grundlegende Form der Wertschätzung – ins Zentrum der Wertearbeit.

[2] Quelle: Gallup Engagement Index Deutschland 2025, https://www.gallup.com/de/472028/bericht-zum-engagement-index-deutschland.aspx (abgerufen am 24.05.2026).
[3] BGM: Betriebliches Gesundheitsmanagement.


Lob versus Wertschätzung

Loben – von althochdeutsch „lobōn” = „anerkennen, rühmen, verherrlichen, preisen” (8. Jh.) – bedeutet, eine (oft außerordentliche) Leistung einer Person ausdrücklich und sichtbar hervorzuheben. Lob bezieht sich damit auf das Tun, auf eine konkrete Handlung oder Leistung – und impliziert meist eine Hierarchie zwischen dem Lobenden und dem Gelobten.
In der Regel ist es, bewusst oder unbewusst, an Bedingungen und Erwartungen geknüpft.

Gezieltes Loben wird als Instrument zur Motivationssteigerung eingesetzt. Es wirkt jedoch vor allem dann, wenn der Gelobte Anerkennung sucht – und verliert bei zu häufigem, inflationärem Gebrauch rasch an Wert.

Wertschätzen (achten, respektieren, mögen, anerkennen) meint demgegenüber das wahrnehmbare und bedingungslose Anerkennen wertvoller Aspekte – von Dingen, Situationen, Produkten und Dienstleistungen ebenso wie von Eigenschaften einer Person oder Gruppe.
Wertschätzung bezieht sich also vornehmlich auf das „Sein”, auf die Wesensart und ihre achtbaren Merkmale – nicht auf eine einzelne Leistung.

Tabellarische Gegenüberstellung

AspektLobWertschätzung
Bezugspunktdas Tun – eine konkrete Leistungdas Sein – die Person als Ganzes
Bedingungbedingt, an Erwartungen geknüpftbedingungslos
Beziehungsebeneoft aus einer Hierarchie herausauf Augenhöhe
Zeitlicher Charakterpunktuell und situativdauerhafte Grundhaltung
Wirkungmotiviert kurzfristig, nutzt sich bei inflationärem Gebrauch abstärkt Selbstwert und Beziehungen nachhaltig

Der Kern des Unterschieds

Lob gilt dem Tun (der Leistung), ist bedingt und bewertet aus einer Hierarchie heraus.
Wertschätzung gilt dem Sein (der Person), ist bedingungslos und begegnet auf Augenhöhe.

Diese bedingungslose Form der Anerkennung ist kein neuer Gedanke: Der Psychologe Carl Rogers (1902–1987) machte die „bedingungslose positive Wertschätzung” („Unconditional positive regard”) zu einem Grundpfeiler der humanistischen, klientenzentrierten Psychologie.

Wertschätzung ist essenzielle Nahrung für Menschen und für Beziehungen. Durch diese Bestätigung wertvoller Attribute – über Feedback, Zuneigung und Resonanz – können sich tragfähige Beziehungen aufbauen und Potenziale entfalten. So entsteht ein Raum für kollektive Stärke auf gleicher Augenhöhe.


Kinder wertschätzen

Eine besondere Bedeutung gewinnt Wertschätzung im Umgang mit Kindern. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul (1948–2019) prägte dafür den Begriff der „Gleichwürdigkeit”: Kinder und Erwachsene besitzen die gleiche Würde – auch wenn sie nicht dieselben Rechte oder Rollen haben. Wertschätzung heißt hier, dem Kind auf Augenhöhe und mit demselben Respekt zu begegnen, den man auch einem Erwachsenen entgegenbringt.
Juul verstand Kinder nicht als „halbfertige” Wesen, die durch Erziehung erst geformt werden müssten, sondern als von Geburt an vollwertige, kompetente Menschen. Wer ein Kind beständig korrigiert und belehrt, sendet – oft ungewollt – die Botschaft „so, wie du bist, genügst du nicht”.
Echte Wertschätzung bestätigt das Kind dagegen in seinem Sein.
Damit trifft Juuls Haltung den Kern der hier beschriebenen Unterscheidung: Sie gilt der Person, nicht nur ihrer Leistung.

Vgl. Jesper Juul: „Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie” (dänisches Original 1995; dt. u. a. bei Rowohlt).


Wertschätzung in der Menschheitsgeschichte

Wertschätzung – das Anerkennen des Wertes von Menschen und Gruppen – hat immer wieder den Lauf der Geschichte geprägt. Besonders dort, wo Menschen den Wert ihres Gegenübers selbst dann anerkannten, wenn es ein früherer Gegner war, entstanden dauerhafte Veränderungen.

Doch Wertschätzung wirkt nicht nur zwischen Völkern – auch im Leben Einzelner hat das Erkennen eines verkannten Wertes Großes bewirkt.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948)

Nach den Katastrophen zweier Weltkriege einigte sich die Staatengemeinschaft 1948 auf ein Dokument, das die „angeborene Würde” und den gleichen Wert aller Menschen ausdrücklich anerkennt. Maßgeblich vorangetrieben von Eleanor Roosevelt, wurde diese kodifizierte Wertschätzung des Menschen zur Grundlage des modernen Menschenrechtsdenkens – bis heute weltweit wirksam.

Nelson Mandela und die Versöhnung Südafrikas

Nach 27 Jahren Haft hätte Nelson Mandela Vergeltung üben können. Stattdessen setzte er auf Anerkennung – auch gegenüber den einstigen Unterdrückern. Mit Gesten wie dem öffentlichen Tragen des Springbok-Trikots (1995), lange ein Symbol der weißen Minderheit, würdigte er bewusst auch deren Identität. Diese Haltung ermöglichte einen friedlichen Übergang und das Fundament einer gemeinsamen Nation – wo viele einen Bürgerkrieg erwartet hatten.

Die deutsch-französische und europäische Aussöhnung

Jahrhunderte galten Deutschland und Frankreich als „Erbfeinde”. Erst die wechselseitige Anerkennung – etwa zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle (Élysée-Vertrag 1963) oder das gemeinsame Gedenken von Helmut Kohl und François Mitterrand in Verdun (1984) – verwandelte Feindschaft in Partnerschaft. Diese gelebte Wertschätzung wurde zu einem Fundament der europäischen Einigung und einer der längsten Friedensperioden des Kontinents.

Die Entdeckung eines Genies: Hardy und Ramanujan

1913 schickte der weitgehend autodidaktische indische Mathematiker Srinivasa Ramanujan – ein einfacher Buchhalter ohne akademische Laufbahn – seine Formeln an mehrere britische Gelehrte. Nur einer erkannte ihre Genialität: Der Cambridge-Mathematiker G. H. Hardy holte den Unbekannten nach England. Diese Wertschätzung eines verkannten Talents bewahrte eines der außergewöhnlichsten mathematischen Werke der Geschichte vor dem Vergessen – Ramanujans Notizbücher inspirieren die Forschung bis heute.

Vincent van Gogh: späte, aber bewahrte Anerkennung

Zu Lebzeiten verkaufte Vincent van Gogh kaum ein Bild; getragen wurde er vor allem von der unermüdlichen Wertschätzung seines Bruders Theo. Nach dem frühen Tod beider widmete sich Theos Witwe, Johanna van Gogh-Bonger, ganz dem Werk: Sie sammelte die Bilder, gab die Briefe heraus und organisierte Ausstellungen. Ihrer Anerkennung ist es maßgeblich zu verdanken, dass van Goghs Vorhersage – „es wird die Zeit kommen, da die Menschen erkennen …” (siehe Zitate) – Wirklichkeit wurde.


Zitate

„Es gibt mehr Hunger nach Liebe und Wertschätzung in dieser Welt als nach Brot.“
Mutter Teresa (1910–1997)

“Echte Kultur offenbart sich in der Wertschätzung der Persönlichkeit.”
Paul de Lagarde (1827–1891)

„Ich kann nichts dafür, dass meine Bilder sich nicht verkaufen lassen. Aber es wird die Zeit kommen, da die Menschen erkennen, dass sie mehr wert sind als das Geld für die Farbe.“
Vincent van Gogh (1853–1890)

„Wer das Leben nicht schätzt, der verdient es nicht.“
Leonardo da Vinci (1452–1519)

„Wenn Werte nicht geschätzt werden, dann gehen sie unter.“
Frank H. Sauer (geb. 1964)


In den Medien

Beispiel für Wertschätzung

Am 16.10.2015 veröffentlicht vom YouTube-Kanal „Die Upstalsboom-Welt“.

Die Hotelkette „Upstalsboom“ hat nach dem vernichtenden Ergebnis einer internen Mitarbeiterbefragung konsequent einen Paradigmenwechsel für eine ökologische und menschliche Unternehmensführung umgesetzt. Das Besondere ist, dass durch die hohe Konzentration auf die persönliche Entwicklung der Menschen mittelbar eine Arbeitgeberattraktivität, Servicequalität und Wirtschaftlichkeit erreicht werden konnten, die deutlich über denen der Branche liegen. So stieg die Zufriedenheit der Mitarbeiter um ca. 80 % und die Weiterempfehlungsrate der Gäste von 92 % auf 98 %. Und in Folge wurden der Umsatz und auch der Gewinn massiv gesteigert. Eine Erfolgsgeschichte, die durch Potentialentfaltung der Mitarbeiter ermöglicht wurde. Ein prämierter Kurzfilm mit Gänsehautfaktor.

Vitamin W – Der Wertschätzungs-Podcast

Im Podcast Vitamin W sprechen Doro Frommberger und Denis Buss über die verschiedenen Dimensionen von Wertschätzung im Arbeitsalltag und beleuchten, wie wir alle mehr davon in unseren Arbeitsalltag integrieren können. Denn Wertschätzung ist der Schlüssel zu einem positiven Arbeitsklima, besseren Ergebnissen, einer nachhaltig erfolgreichen Zusammenarbeit und letztendlich zu mehr Wertschöpfung.
Doro und Denis berichten in den Folgen von Best-Practice Beispielen und lassen Gäst:innen zu Wort kommen.

https://vitamin-w-podcast.podigee.io


Literatur

Das Wunder der Wertschätzung – Wie wir andere stark machen und dabei selbst stärker werden

Reinhard Haller · Gräfe und Unzer (GU), Reihe „GU Beziehungen” · 208 Seiten · ISBN 978-3-8338-8349-1

Der österreichische Psychiater und Gerichtsgutachter Prof. Dr. Reinhard Haller knüpft an seinen Bestseller „Die Macht der Kränkung” an und beschreibt Wertschätzung als deren Gegenmittel. Anhand zahlreicher Fallbeispiele aus Therapie, Alltag und Berufsleben zeigt er, wie echte Anerkennung im Gehirn wirkt – sie aktiviert das Belohnungssystem, dämpft Angst und fördert Kreativität, Motivation und Beziehungsfähigkeit. Praktische Impulse laden dazu ein, eine wertschätzende Grundhaltung einzuüben: andere stärken und dabei selbst stärker werden.

https://gu.de/products/58793-das-wunder-der-wertschaetzung

Kampf um Anerkennung – Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte

Axel Honneth · Suhrkamp, Reihe „suhrkamp taschenbuch wissenschaft” (Band 1129) · ca. 345 Seiten · ISBN 978-3-518-28729-3

Der Sozialphilosoph Axel Honneth (geb. 1949), Vertreter der dritten Generation der Frankfurter Schule, entwickelt – ausgehend von Hegel und der Sozialpsychologie George Herbert Meads – die Grundlagen einer Theorie der Anerkennung. Er unterscheidet drei Formen: Liebe, Recht und soziale Wertschätzung. Gerade die dritte Sphäre macht das Werk für unser Thema zentral: Sie beschreibt, wie Menschen über die Würdigung ihrer Fähigkeiten und Leistungen gesellschaftliche Anerkennung erfahren. Ein anspruchsvolles, akademisches Grundlagenwerk für alle, die den Begriff Wertschätzung sozialtheoretisch vertiefen möchten.

https://www.suhrkamp.de/buch/axel-honneth-kampf-um-anerkennung-t-9783518287293

Die stille Revolution – Führen mit Sinn und Menschlichkeit

Bodo Janssen · Ariston Verlag (München), 2016 · gebundene Ausgabe · ISBN 978-3-424-20138-3

Bodo Janssen (geb. 1974), Geschäftsführer der Hotelkette Upstalsboom, schildert den kulturellen Paradigmenwechsel seines Unternehmens – ausgelöst durch das vernichtende Ergebnis einer Mitarbeiterbefragung. Aus der Einsicht, dass Führung Dienstleistung sei und kein Privileg, entwickelte er einen Weg, der den Menschen vor die Ressource stellt. Sein Leitgedanke „Wertschöpfung durch Wertschätzung” bringt es auf den Punkt: Wer Mitarbeitende wirklich wertschätzt, stärkt zugleich Motivation, Bindung und wirtschaftlichen Erfolg. Das Buch erzählt dieselbe Upstalsboom-Geschichte, die auch der in diesem Artikel eingebundene Film im Abschnitt „In den Medien” zeigt.

https://www.amazon.de/Die-stille-Revolution-F%C3%BChren-Menschlichkeit/dp/3424201383

Das Arbeitgebermagazin der AOK – Die Gesundheitskasse

gesundes unternehmen – Ausgabe 4 / 2020Thema: Wertschätzung; Textauszüge:

Ansehen, Achtung, Anerkennung – mit diesen drei Begriffen beschreibt der Duden allgemein die Bedeutung von Wertschätzung. Auf Mitarbeiterführung bezogen, definiert Frank H. Sauer, Autor des Nachschlagewerks „Das große Buch der Werte 2019“, Wertschätzung so: „Aufmerksamkeit und Interesse zeigen beziehungsweise besitzen sowie Respekt und wohlwollendes Feedback geben.“ Diese Geisteshaltung – vor allem zunächst von der Unternehmensführung – sei die Basis für eine gesunde Unternehmenskultur. Werte spielen dabei eine große Rolle: „Wir wissen heute aus der Forschung, dass Arbeit wesentlich seltener krank macht, wenn sie im Einklang mit den persönlichen Wertvorstellungen steht“, sagt Sauer. Häufig genannte Werte sind „Fairness“, „Familie“ oder auch „Gesundheit“. Beispiele, die zeigen, dass Werte genauer definiert werden sollten, da sie subjektiv sehr unterschiedlich ausgelegt und interpretiert werden können. Doch genau darum geht es beim wertschätzenden Führen: Beschäftigte möchten als Menschen mit individuellen Werten und Bedürfnissen wahrgenommen und behandelt werden. […] Wichtig ist, dass die Unternehmenswerte, die der Betrieb in Bezug auf die Mitarbeiterführung nach außen kommuniziert, intern auch wirklich gelebt werden. „Eine Doppelmoral wird sonst schnell entlarvt und auf Arbeitgeberbewertungsportalen wie Kununu und Co. angeprangert“, erklärt Unternehmenscoach Sauer.

Persönliche Arbeitswirklichkeiten

Wertschätzendes Führen zeigt sich in Verhaltensweisen und Maßnahmen seitens der Führungskraft, die sich unmittelbar auf die Mitarbeiter und ihre individuellen Arbeitswirklichkeiten auswirken: Wie werden beispielsweise Aufgaben im Team verteilt? Und wie eigenverantwortlich dürfen die Mitarbeiter ihre Aufgaben ausüben? In diesem Zusammenhang bedeutet Wertschätzung, „dass sich Menschen mit ihren konkreten Gedanken, Gefühlen und Ideen einbringen können“, so Sauer. Darüber hinaus zeigt die Führungskraft eine wertschätzende Haltung, wenn sie ein ehrliches Interesse daran hat, welche Werte den Mitarbeitern besonders wichtig sind, etwa Freude bei der Arbeit, Sinnhaftigkeit, Anerkennung, Kollegialität und Gerechtigkeit. Daraus kann die Führungskraft wiederum entsprechende Maßnahmen für die individuelle Arbeitssituation oder ein individuelles Lob ableiten. Sie kann beispielsweise den Mitarbeiter, der besonders viel Wert auf Kollegialität legt, das nächste Teamevent planen lassen. […]

Wie lässt sich wertschätzend kommunizieren?

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus. Mit dieser Weisheit sei fast alles gesagt, meint Coach und Autor Frank H. Sauer. Wertschätzendes Führen beinhalte allerdings noch etwas mehr …
„Wertschätzung heißt, das zu schätzen, was einen Wert hat. Und Mitarbeiter haben immer einen Wert“, sagt Sauer. Ihren Namen und Geburtstag zu kennen, Leistung anzuerkennen, sich zu bedanken – all das zeigt Wertschätzung und ist die unverzichtbare Basis für ein konstruktives Miteinander. Wertschätzendes Führen setzt aber noch mehr voraus. Das sinnvolle Delegieren von Aufgaben und die gezielte Mitarbeiterentwicklung sind nur dann möglich, wenn eine Führungskraft über die Stärken und Schwächen sowie die persönlichen Werte und Ziele des Beschäftigten Bescheid weiß.
WAS IST IHNEN WICHTIG? Meist sind den Mitarbeitern ihre eigenen Werte selbst gar nicht bewusst. „Hier kann sich eine gute Führungskraft aber beweisen“, so der Experte. „Sie fragt, was dem Mitarbeiter persönlich wichtig ist.“ Die Aufgabe der Führungskraft ist also, bei der Einstellung, spätestens aber in der täglichen Zusammenarbeit die individuellen Werte und Bedürfnisse eines Mitarbeiters in Erfahrung zu bringen. Dazu sollte sie das Gespräch mit ihm suchen. Die Führungskraft nimmt sich idealerweise Zeit dafür und erklärt, dass sich der Betrieb gern ein Bild von den Vorstellungen der einzelnen Mitarbeiter machen möchte. […]


Häufige Fragen (FAQ)

Was ist Wertschätzung?

Wertschätzung ist die innere Haltung und ihr Ausdruck, den Wert einer Person wahrzunehmen und anzuerkennen. Sie zeigt sich in Aufmerksamkeit, Interesse, Respekt und wohlwollendem Feedback – und richtet sich auf das, was einen Menschen ausmacht, nicht nur auf seine Leistung.

Ist Wertschätzung ein Wert?

Nein. Wertschätzung wird zwar oft als Wert bezeichnet, ist genau genommen aber ein Wertesystem – ein Sammelbegriff, der mit ganz unterschiedlichen Einzelwerten „bestückt” sein kann, etwa Aufmerksamkeit, Respekt, Dankbarkeit, Empathie oder Anerkennung.

Worin unterscheiden sich Wertschätzung, Anerkennung und Respekt?

Die Begriffe überschneiden sich, meinen aber nicht dasselbe. Respekt ist die achtungsvolle Grundhaltung gegenüber einem anderen, Anerkennung das ausgesprochene Würdigen von Eigenschaften oder Leistungen. Wertschätzung ist die umfassendere innere Haltung, die beides einschließt und den Menschen als Ganzes wahrnimmt.

Warum ist Wertschätzung so wichtig?

Das Bedürfnis, wahrgenommen und anerkannt zu werden, gilt als menschliches Grundbedürfnis. Erfahrene Wertschätzung stärkt Selbstwert, Motivation und Beziehungen; fehlt sie dauerhaft, drohen Rückzug und innere Distanz – im Privatleben ebenso wie im Beruf.

Wie kann man Wertschätzung zeigen?

Wertschätzung lässt sich verbal (ehrlicher Dank, aufrichtige Anerkennung), nonverbal (Aufmerksamkeit, aktives Zuhören, Präsenz) und handlungsbezogen (geschenkte Zeit, verlässliche Unterstützung) ausdrücken. Eine besonders tiefe Form ist das aufrichtige Interesse an dem, was dem anderen wichtig ist – an seinen Werten. Entscheidend ist, dass die Zuwendung als echt empfunden wird.

Was ist der Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung?

Lob gilt dem Tun – einer konkreten Leistung –, ist meist an Bedingungen geknüpft und wird oft aus einer Hierarchie heraus ausgesprochen. Wertschätzung gilt dem Sein, also der Person selbst, ist bedingungslos und begegnet auf Augenhöhe. Lob kann Teil von Wertschätzung sein, ersetzt sie aber nicht.Lob vs. Wertschätzung – der Kern des Unterschieds

Was ist der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwertschätzung?

Fremdwertschätzung ist das Wahrnehmen und Anerkennen des Wertes anderer Menschen. Selbstwertschätzung ist die wertschätzende Haltung sich selbst gegenüber. Beide bedingen einander: Wer den eigenen Wert anerkennt, kann auch andere leichter aufrichtig wertschätzen – und umgekehrt.

Was ist „Mattering”?

„Mattering” (englisch für „von Bedeutung sein”) bezeichnet das subjektive Gefühl, für andere wichtig zu sein. Der Begriff wurde 1981 vom Soziologen Morris Rosenberg geprägt und beschreibt sehr genau, was Wertschätzung beim Gegenüber auslöst: das Gefühl, gesehen zu werden und zu zählen.

Letzte Bearbeitung am 24.05.2026

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