Der Wert der Atmung – oder: wie der Atem und unsere Werte zusammenhängen (können)

Wie wir atmen, bestimmt unsere Lebensqualität. Ist unsere Atmung in Tiefe, Regelmäßigkeit und Umfang gestört – etwa durch Krankheit oder Stress –, wirkt sich das auf unser allgemeines Wohlbefinden aus. Entspannungsübungen und Praktiken wie Yoga beweisen seit langem, dass wir den Atem zu unseren Gunsten steuern und beeinflussen können.

Wir können uns mit der richtigen Atemtechnik und mit gezielt ausgesuchten Atemübungen in bestimmte Stimmungen und Zustände versetzen, von denen wir im Privaten wie Beruflichen profitieren können. Denn Atmung ist eine höchst individuelle Erfahrung und geht weit über das einfache Ein- und Ausatmen hinaus. Jede Atemtechnik hat ihre Besonderheiten und wirkt auf unterschiedliche Weise auf Körper und Geist.

Im Folgenden haben wir von A bis Z Werte zusammengestellt, die einen direkten Zusammenhang mit der Atmung erkennen lassen oder erwirken können.

Achtsamkeit

Indem wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Atemübung richten, werden wir automatisch achtsam. Denn um eine Atemübung durchführen zu können, muss ich bei mir sein, muss aufmerksam auf meinen Atem und Körper sein. Den Fokus richte ich dabei in das Innere: Was passiert in mir? Wie bewegt sich mein Brustkorb?
→ Atemübungen bieten die Chance, Dinge wahrzunehmen, für die es im Alltag keinen Raum gibt. Die geschärfte Aufmerksamkeit kommt mittelbar meinen Mitmenschen und meiner Umwelt zugute.

Ausdauer

Die Ausdauer lässt sich mit Atemübung in gewissem Ausmaß beeinflussen, etwa durch vertiefende Atemübungen, die darauf abzielen, aktiv mehr Lungenkapazität zu nutzen. So können wir mehr Sauerstoff in weniger Zeit aufnehmen. Profi-Ausdauersportler haben ein bis zu dreimal größeres Lungenvolumen als Nichtsportler.

→ Die passende Atemübung hilft uns, unser Lungenvolumen zu trainieren. Dies kann die Lebensdauer verlängern und ermöglicht uns, auch in anstrengenden Phasen länger durchzuhalten. → (Longevity)

Besonnenheit

Die Besonnenheit ist ein ganz besonderer Wert, der eng mit der Atmung verknüpft ist: Gesundes Atmen fördert ein gesundes Zwerchfell, unseren Hauptatemmuskel. Das griechische Wort Sophrosyne bedeutet ursprünglich „Zwerchfellgesundheit“ und hat sich mit der Zeit gewandelt zur Übersetzung „Besonnenheit“. → https://www.values-academy.de/motor-des-lebens-ohne-zwerchfell-keine-gesundheit-und-besonnenheit/

Flexibilität

Auf körperlicher Ebene beschert uns eine gute, ausgewogene Atmung die Flexibilität (also Beweglichkeit) unseres inneren Kerns, des sog. Zentralgeflechts. Eine verspannte Atmung jedoch führt zu funktionellen körperlichen Problemen.

Auf geistiger Ebene bezieht sich Flexibilität auf die Bereitschaft, Denkmuster zu durchbrechen und sich an neue Gegebenheiten anzupassen.

→ mit der entsprechenden Atemübung können wir ein bewegliches Zwerchfell trainieren und Leichtigkeit im Bauchraum und Brustkorb erreichen. Freies, entspanntes Atmen gibt uns Kraft und Zuversicht, auch im Alltag flexibel auf äußere Reize reagieren zu können.

Gelassenheit

Manche Probleme lassen sich mit einer bewussten Pause am besten lösen: innehalten, beobachten, tief durchatmen. Ein bewusst gewählter Atemzug selbst ist im Grunde nichts anderes als eine Pause. Er hilft uns, manche Dinge ge”lassen” einfach sein zu lassen oder beiseitezulegen. Manches klärt sich mit etwas Abstand von selbst – eine wichtige Tugend angesichts der vielen großen und kleinen Herausforderungen im privaten und beruflichen Alltag.

Gesundheit

Der Atem ist die Basis allen Lebens. Als „Vermittler“ der Gesundheit wirkt er ausgleichend: Brauchen wir schnell Energie, können wir den Atem beschleunigen. Brauchen wir Ruhe, verlangsamen und vertiefen wir den Atem. Er kann sich bewusst oder unbewusst unserem Zustand anpassen (lassen), und auch unsere Organe, Nerven, Ver-/Entsorgung sind davon abhängig, wie bewusst, rund und gleichmäßig wir atmen.

→ Wie wir atmen, hat Folgen. Dabei können wir wie beim Essen ständig zwischen gesunden und weniger gesunden Optionen frei wählen.

Inspiration

Nicht umsonst hängt das Wort Inspiration mit Spirit (Geist) und inspiratio (einatmen) zusammen: eine bewusste, gute Atmung belebt und beflügelt auch unseren Geist, fördert das Denkvermögen und kurbelt die Kreativität an. Sie macht uns offener für neue Ideen.

→ von kurzen Atempausen und gezielten Atemübungen profitieren wir daher gerade dann, wenn wir im Arbeitsprozess einmal nicht weiterkommen oder eine zündende Idee brauchen.

Intuition (Bauchgefühl)

Unser Bauchgefühl ist ein wichtiger Ratgeber. Damit wir es entwickeln und wahrnehmen können, braucht es eine Umgebung, in der es sich wohlfühlt. In der Bauchregion liegt ein empfindsames Nervengeflecht, das auf körperliche Impulse reagiert. Dicht an diesem Nervengeflecht liegt das Zwerchfell, unser Hauptatemmuskel. Kann es nicht rund laufen und sich entspannt in alle Richtungen ausdehnen, läuft auch unsere Atmung nicht rund; das Nervengeflecht wird in seiner Wahrnehmung behindert. Das wiederum schränkt unser Bauchgefühl ein.

→ Atemübungen fördern die Entspannung im Bauchraum und so mittelbar unsere Intuition, die für private wie berufliche Entscheidungen wichtig sein kann.

Kontrolle

Die Atmung ist eine unbewusst und automatisch ablaufende Körperfunktionen, die wir auf Wunsch bewusst kontrollieren und beeinflussen können. Wir können uns den Atem je nach Bedarf zunutze machen und so steuern, wie wir ihn brauchen: anregend oder beruhigend beispielsweise.

→ Das Wissen darum, die Grundlage unseres Lebens zu großen Teilen selbst in der Hand zu haben, gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen – zwei wichtige Eigenschaften, damit wir uns auch im beruflichen Kontext als Herr(in) der Lage fühlen können.

Kreativität

Unser Gehirn besteht aus zwei Hälften: Die rechte Hirnhälfte steuert die linke Körperhälfte und ist verantwortlich für Kreativität. Die linke Hirnhälfte steuert die rechte Körperhälfte und ist für logisch-strategisches Denken zuständig.

→ Atemübungen wie die „Einzel-Nasenloch-Atmung links“ machen sich genau diese Überkreuz-„Schaltung“ zunutze. So können wir mit der passenden Atemübung die rechte Hirnhälfte und somit die Kreativität stimulieren.

Motivation

Die intrinsische Motivation – der eigene Antrieb aus unserem Inneren – erhöht unsere Aussicht auf Erfolg: Wenn ich selbst aus Überzeugung nach etwas strebe, begünstigt das den dafür nötigen langen Atem.

→ Eine körperliche Atemübung in einer bewegten Pause kann unsere Motivation fördern, kommt doch das Wort selbst vom Lateinischen „movere“ = bewegen, antreiben.

Präsenz

Wenn wir bewusst atmen, können wir nicht anders, als im Hier und Jetzt zu sein. Atemübungen können unseren Blickwinkel auf den Moment lenken. So fällt uns leichter, am Atem „festzuhalten“ und zu verhindern, dass der Geist in die Vergangenheit oder Zukunft abschweift.

→ Das ist mit ein Grund, weshalb Atemübungen dabei helfen, einen unruhigen Geist zu beruhigen.

Resilienz

Bestimmte Atemtechniken können unsere Widerstandskraft verstärken oder schwächen. Widerstandsfähige Menschen können mehr Stress ertragen als weniger resiliente Menschen, ohne dabei krank zu werden.

→ Die Atemtechnik resilienter Menschen zeichnet sich dadurch aus, dass sie bewusst oder unbewusst in Phasen der Anspannung ihren inneren Stress einfach wegatmen können. Dadurch sind sie belastbarer als Menschen, die durch eine ungünstige Atemweise mehr Anspannung körperlich wie mental anhäufen und sich unbewusst dadurch schwächen.

Ruhe

Bewusstes Atmen schenkt uns einen Moment der Ruhe. Gleichzeitig ist die Ruhe selbst Teil des Atmens. Denn die Zeit zwischen dem Ausatmen und dem nächsten Einatmen ist normalerweise von einer kurzen Phase der Ruhe geprägt. Wenn wir diese Phasen bewusst ab und zu wahrnehmen, können wir gelassener und ruhiger werden.

→ So können wir proaktiv (statt reaktiv) Entscheidungen treffen, die auf besonnenem Abwägen basieren.

Selbstbewusstsein/-vertrauen

Ob vor einer Gehaltsverhandlung oder einem Fallschirmsprung – mit der passenden Atemtechnik können wir unser Selbstbewusstsein stärken, indem wir tief in uns hineinatmen und dadurch mehr Raum einnehmen und spüren.

→ Höheres Bewusstsein geht mit höherem Selbstvertrauen einher. Wir fühlen uns geerdeter, für ängstliche Gedanken bleibt weniger Raum.

Tatkraft

Tatkraft ist gleichbedeutend mit dem langen Atem, um etwas dynamisch anzupacken. Manche Dinge im Leben erfordern einen ausdauernden langen „Marathon-Atem“, wieder andere einen intensiven kurzen „Sprinter-Atem“. Egal, welches Projekt wir angehen: Tatkraft erfordert Energie.

→ Der Atemprozess, egal für welche Art der Belastung, ist ein energieliefernder Vorgang. Je nach Atemübung erhalten wir Energie für kurzfristige Höchstbelastung oder für langfristigen Dauereinsatz.

Verantwortung(sbewusstsein)

Da wir unsere Atemweise in Teilen selbst bestimmen können, tragen wir auch die Verantwortung, dies auf beste Weise zum Wohle unserer Gesundheit zu tun.

→ Mit dem Wissen um diese Verantwortung kann gleichzeitig ein Gefühl der Ermächtigung einhergehen, dass wir so etwas Elementares wie unseren Atem selbst in der Hand haben.

Verlässlichkeit

Du kannst bewusst die Luft anhalten. Und Dir sicher sein, dass der nächste Atemimpuls kommen wird. Dein Körper lässt Dich nicht im Stich.

→ Wir können den Atem mittels Willenskraft steuern, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Du kannst Dich darauf verlassen, dass der Drang zum Einatmen kommen wird. Mit Atemübungen kannst Du Dich an verschiedenen Formen ausprobieren und mit Deinem Atemimpuls spielen.

Zielstrebigkeit versus Achtsamkeit

Ein Ziel beschreibt einen konkreten Punkt, den ich anvisiere und erreichen möchte. Achtsamkeit hingegen ist eher eine Allwahrnehmung.

→ Mit einer Atemübung für flaches, schnelles Atmen kannst Du Deine Zielstrebigkeit kurzfristig befeuern; tiefe Atemzüge schulen die Achtsamkeit. Du hast die Wahl!

Zuversicht

Wenn ich ausgeglichener bin – etwa, weil ich mehr Sauerstoff zur Verfügung habe –, fühle ich mich entspannter. Dann fällt es mir leichter, positiv und zuversichtlich zu sein.


Mehr über das Atmen

Auf der Seite https://osteopathie-verstehen.de/atemuebungen-liste/ findest du eine große Vielfalt an Methoden, von alten Techniken aus Yoga und Meditation bis zu neueren Ansätzen aus der Sportwissenschaft und der Stressbewältigung, alle sorgfältig erläutert und angeleitet, um deine persönliche Praxis zu bereichern.

FABIAN MÜLLER

Fabian Müller

Fabian Müller M.Sc. beschäftigt sich hauptberuflich und schwerpunktmäßig mit Atmung, Balance und Gesundheit. Als Osteopath kann er die Funktionsfähigkeit des Zwerchfells ertasten. Es steht im Zentrum der Betrachtung seiner osteopathischen Praxis und Lehre.

Er ist zertifizierter Werte-Coach der VALUES ACADEMY und Gründer der Methode „Lockieren®“.

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